Die Macht der Musik

Das kulturelle Leben im deutschen Kriegsgefangenenlager Bando in Japan

Das Barackenlager in Bando

Theater in Bando

Bei den meisten Stücken beteiligten sich die Lagerorchester oder Teile von ihnen mit Ouvertüren und Zwischenaktmusiken. Ein Höhepunkt war sicher die fünf Mal wiederholte Vorstellung von Goethes Trauerspiel "Egmont" mit der Bühnenmusik von Beethoven.

Aufführungen im Februar 1919

Die Sammlung von Bühnenbildern, die in der letzten Ausgabe der "Baracke" wiedergegeben ist, belegt das Engagement und die Kunstfertigkeit der Theaterenthusiasten unter den Gefangenen. Zu "Egmont" druckte die Lagerzeitung eine Einführung, die den im Werk thematisierten Freiheitsgedanken und Heldentod mit der eigenen Situation als Kriegsgefangene verglich. Der Rezensent betont zwar die unvermeidbaren Mängel der Aufführungen durch die Umstände im Lager, stellt aber das Gelungene besonders heraus. Möglicherweise war Hansen der Autor der ausführlichen Erläuterung der Schauspielmusik.

Bühnenbild zu "Egmont", "Straßenscene", entworfen von Wilhelm Blomberg

Diese Abschrift enthält nicht nur Korrekturen des Komponisten im Notentext, sondern auch viele Regieanweisungen, die die Musik mit dem Schauspiel verbinden.

Von Beethoven korrigierte Abschrift seiner Musik zu Johann Wolfgang von Goethes Trauerspiel "Egmont" op. 84
Bühnenbild zu "Egmont", "Zimmer der Regentin", entworfen von Wilhelm Blomberg
Szene aus "Egmont

Zu sehen ist der Beginn der letzten Musiknummer mit Beethovens Überschrift: "Egmont ‚ schüzt eure Güter! und euer liebstes zu erretten, fallt Freudig, wie ich euch ein beyspiel gebe' nach diesen Worten fällt das Orchester rasch und feurig ein - ". Das Trauerspiel ist schon vom Dichter so angelegt, dass die Musik einen elementaren Bestandteil des Dramas darstellen soll. Nach dem Fallen des Vorhangs schrieb Goethe vor: "die Musik fällt ein und schließt mit einer Siegessymphonie das Stück". Beethovens Anweisungen gehen an vielen Stellen über Goethes Vorstellungen hinaus. Der Dichter urteilte: "Beethoven ist mit bewundernswertem Genie in meine Intention eingegangen".