Die Farbe der Klänge

Tommaso De Meos malerische Umsetzung der neun Sinfonien Beethovens

Die Achte Sinfonie

Achte Sinfonie, 1. Satz

Das bestimmende Motiv der Werke zur 8. Sinfonie ist die Bühne: Alle vier Bilder zeigen Inszenierungen, in denen das Menschliche primär im Kontext eines Schauspiels aufgefasst wird - so auch die Darstellung des ersten Satzes, zu der De Meo selbst sagte: "Seht, wie es einem kleinen Glühwürmchen gelingt, eine Tänzerin in seinen Bann zu ziehen." Eine silhouettenhafte Frauengestalt in einem ausladenden Rock steht inmitten einer spiegelnden Wasserfläche; sie streckt ihre Arme empor, im Versuch, das winzige Glühwürmchen mit ihren Händen einzufangen. Die Schilfhalme, die um sie herum aus dem Wasser ragen, rahmen die Szene wie ein Bühnenbild ein und wirken dabei bedrohlich, wie die Zähne im Maul eines Ungeheuers.

Achte Sinfonie, 2. Satz

Die vormals bloß angedeutete Bedrohung des künstlerisch schaffenden Menschen durch das Publikum ist in der Darstellung des zweiten Satzes nunmehr vollends realisiert: Von der Tänzerin sind nur noch die Füße mit den typischen Ballettschuhen in der Haltung eines Spitzentanzes übriggeblieben, getaucht in das blutrote Licht des Bühnenscheinwerfers. Unterdessen schicken sich die Tribünen des Amphitheaters - deren grausame krallenbewehrte Monstrosität ein Zeichen für das Geschichtsbewusstsein des Römers De Meo sein mag - an, auch das letzte Übriggebliebene zu greifen, zu rauben, zu vereinnahmen.

Achte Sinfonie, 3. Satz

In einer Umkehrung der Teilung des Roten Meeres durch Moses schreitet hier eine Gestalt, deren Kleidung an die Epoche Beethovens erinnert, durch einen roten, nassen Pfad. Hier ist es das gespaltene Land mit seinen klauenhaften Baumgerippen, das nicht rettend, sondern bedrohlich wirkt. Im Fluchtpunkt des Bildes ist diese kleine, einsame Figur auch der Mittelpunkt der vier Elemente: Eingerahmt in der Bühne des Naturschauspiels, ist es unklar, ob die Elemente von der Gestalt ausstrahlen, oder zu ihr streben; ob der Mensch die Natur beherrscht, oder sie ihn. De Meo empfindet den 3. Satz wie ein Moment des Erwachens aus einem Traum. Der Mensch ist nicht mehr in seinen Gedanken gefangen und flieht diesen unwirklichen Ort, indem er sich der Fesseln der Träume entledigt.

Achte Sinfonie, 4. Satz

Im letzten Gemälde zur 8. Sinfonie verschwimmt das Bild der Bühne wieder - angedeutet findet man es noch in den Bäumen, die wie hölzerne Adoranten die Szene einrahmen. Unter dem Himmel des zornenden Jupiter gehen die Menschen der elementarsten Tätigkeit der Kultur nach und bestellen mühsam das karge Land, machen sich die Erde untertan: Es ist dabei offen, ob die Pose der Bäume ein Anbeten oder ein Wehklagen darstellt, und ob es den alten Heidengöttern oder den neuen Herrschern gilt.