Die Farbe der Klänge

Tommaso De Meos malerische Umsetzung der neun Sinfonien Beethovens

Die Siebte Sinfonie

Siebte Sinfonie, 1. Satz

In den Erläuterungen zu seinen Gemälden bezeichnet De Meo die 7. Sinfonie Beethovens in Anlehnung an Richard Wagner als "Apotheose des Tanzes". In dieser reinsten und höchsten Form des Tanzes würden die Bewegung des menschlichen Körpers fast eins mit dem Rhythmus. Den ersten Satz der Sinfonie empfand der Maler als mystisch und meditativ, was sich auch in seiner Motivwahl widerspiegelt: In einer geheimnisvollen, nebelverhangenen fernöstlichen Szene türmt sich ein unwirtliches Felsengebirge hinter einer kleinen Pagode zum Himmel auf. Diese steht zwar einsam in der kargen Landschaft, doch das Licht, das aus ihr strahlt, zeigt, dass sie nicht verlassen ist. Bestimmend für das Thema des Tanzes ist der Wind, der, unbeirrt von den starren Felsen, mit den biegsamen Bäumen und den flüchtigen Nebel- und Wolkenfetzen zu spielen scheint.

Siebte Sinfonie, 2. Satz

Aufgrund des feierlichen Charakters des zweiten Satzes sieht De Meo in ihm einen weiteren Trauermarsch, den er mit dem zweiten Satz der 3. Sinfonie "Eroica" in Verbindung bringt. Dementsprechend stellt er eine düstere Landschaft dar, die er als "blutgetränkten Sumpf" bezeichnet, der den Tod symbolisiert. Feuerfarben und unheilschwanger blickt der Himmel über den roten Morast, aus dem sich hohe, dürre, kahle Bäume erheben.

Siebte Sinfonie, 3. Satz

Das dritte Gemälde zur 7. Sinfonie zeigt zum ersten Mal menschliche Figuren. Am rechten Bildrand streckt eine männliche Figur machtlos seinen Arm einer langhaarigen, sinnlichen Frauengestalt entgegen, während sie dem schwarzen Felsen entgegentanzt, der sich in der Bildmitte grimmig aus den roten Wassern erhebt. Ihre kraftvolle und zugleich anmutige Haltung steht in ihrer Dynamik im krassen Kontrast zu den drei schemenhaften Frauengestalten, welche, ruhenden Krähen gleich, matt gebeugt auf den Fels niedersinken. Bewegung und Kontrast suggerieren, dass der ihre nichts anderes als ein Totentanz ist: Der Mensch kann nicht verhindern, dass seine Gefährten von diesem letzten Tanz, dessen schicksalhafter Magnetismus sogar die Elemente selbst zu sich zieht und um sich verdichtet, aus dem Leben gerissen werden.

Siebte Sinfonie, 4. Satz

Über dem klaren Meer und den erhabenen Eismassen erhebt sich im Morgenlicht, einer Fata Morgana gleich, eine turmreiche und zugleich trostlose Stadt aus Eis. Sind dort die verloren geglaubten Gefährten unseres Lebens wiederzufinden? Endet unser aller Weg in jener ewigen Stadt? Dies scheinen die Fragen zu sein, die uns De Meo stellen will. Über uns zieht ein gespenstischer Krähenschwarm, dessen Schwingenschläge und Klagerufe wie Musik unseren letzten Weg begleiten.