Die Farbe der Klänge

Tommaso De Meos malerische Umsetzung der neun Sinfonien Beethovens

Die Fünfte Sinfonie

Fünfte Sinfonie, 1. Satz

Der Schicksalstopos, welcher die 5. Sinfonie dominiert, erscheint hier zunächst in Gestalt einer verdunkelten und dennoch lodernden Sonne, die - in Anlehnung an das weltberühmte Anfangsmotiv - kraftvoll über den Dächern und Türmen einer großen Stadt aufgeht. Ihr sonst alles erhellende Licht ist jedoch verschwendet an eine Stadt, deren Häuser weder Türen noch Fenster haben - gleich dem Schicksal, das an die Türen pocht, zunächst aber kein Gehör findet. Das Licht ist in der Welt, doch die Menschen ziehen ihm die Finsternis vor.

Fünfte Sinfonie, 2. Satz

Die vier Noten des Anfangsmotivs spiegeln sich, wie Licht aus fernen Höhleneingängen, in dem ruhigen Wasser des zweiten Satzes: Ihr Widerschein zieht sich durch die sanften Wellen, bricht sich in ihnen, und bleibt doch immer klar sichtbar. Die unwirtliche Felslandschaft selbst zeugt in ihren vertikalen und horizontalen Pinselstrichen - die nur von jenem Schein durchbrochen werden - sowohl von scharfer Trennung als auch von Harmonie und erzeugt beim Betrachter zusätzlich den Eindruck eines vibrierenden Gemäldes.

Fünfte Sinfonie, 3. Satz

Per aspera - der menschliche Verstand scheitert im Angesicht der Mächte der Natur und des Schicksals. Offen, nackt, bar jeden Schutzes kann der Verstand, seines sicheren Bodens beraubt, dem Sturm nicht mehr standhalten; der reine Intellekt wird zersetzt, seine Überreste versinken in den Spalten und Risse der zerschmetterten Erde. Der einzige Punkt am finsteren, sturmumtosten Himmel, an dem der römische Maler dem Auge ein wenig Licht gewährt, wird wie von Jupiter Fulgur selbst durch einen zuckenden Blitz zerrissen.

Fünfte Sinfonie, 4. Satz

Ad astra. Der raue, erhabene Weg ist überstanden: Eine gleißende Sonne, vor der jeder Schatten und jede Dunkelheit fliehen, erfüllt im fulminanten Triumph das All endlich mit ihrem Licht. Wo früher sich eine Stadt erhob, die sich hochmütig vor dem Licht verschloss, steht nun eine Erde, aus deren zunächst kargem Boden doch überall Leben sprießt und dem reinen Licht entgegenwächst. Allein eine Gestalt am Bildrand, die an einen Menschen gemahnt, der von den Göttern in einen Baum verwandelt wurde, richtet sich abwärts, gegen die Bewegung der restlichen Natur.