Die Farbe der Klänge

Tommaso De Meos malerische Umsetzung der neun Sinfonien Beethovens

Die Vierte Sinfonie

Vierte Sinfonie, 1. Satz

Der Bilderzyklus zur vierten Sinfonie verdeutlicht noch einmal den Zusammenhang, in dem die Musik, wie der Maler sie empfand, und ihre malerische Umsetzung stehen. Die unbeschwerte Leichtigkeit der im Sommer und Herbst 1806 entstandenen vierten Sinfonie zeugt von den Hochgefühlen des Komponisten, die von der Liebe zu Josephine Deym, geb. Brunsvik ausgelöst wurden - De Meo sah hierin das Zeugnis einer inneren Ruhe, einer Ausgeglichenheit, welche sich zum ersten Male im Leben Beethovens manifestierten. Demzufolge ist auch die Ruhe, ausgedrückt in kühlen, intensiven Blautönen, der zentrale Aspekt des Zyklus zur vierten Sinfonie. Das erste Bild spiegelt die Anfangssequenz des ersten Satzes wieder: Der charakteristische langgehaltene Ton der Einleitung in b-Moll wirkt im ersten Moment düster und dunkel. Im weiteren Verlauf gewinnt der Satz an Gelöstheit und hellt sich auf. In der Interpretation De Meos verwandelt sich dieser erste Ton in ein grenzenloses Gewässer, dessen finstere Oberfläche nur durch einen vagen Lichtschimmer am fernen Horizont vom noch dunkleren Nachthimmel getrennt wird.
Doch wo dunkle Nacht und tiefe, stille Wasser von Ruhe zeugen, scheint der Maler auch eine unterschwellige Rastlosigkeit zu erahnen: Das schroffe Gestade von Fels oder Eis, das das Bild am unteren Rand begrenzt, sowie auch der Schwarm von schemenhaften Möwen lassen vermuten, dass hinter und unter dieser Stille eine verborgene, unruhige Dynamik waltet.

Vierte Sinfonie, 2. Satz

Wie der raue, brüchige Finger eines Felstitanen scheint sich die Erde selbst dem fernen Gestirn, dem einzigen Licht im düsteren Himmel, entgegenzustrecken, um sich dann jedoch im uranfänglichen Nichts zu verlieren. In ihrem mächtigen Emporstreben nach Licht, aber auch in ihrer unabwendbaren Auflösung, erinnert diese Bewegung an das Crescendo im 2. Satz der Sinfonie, an dessen Ende ebenfalls kraftvolle Dynamik in sanfte Ruhe übergeht.

Vierte Sinfonie, 3. Satz

Über die einst ruhigen Wasser peitscht nun ein gewaltiger Sturm. Die Gischt der Wellenkronen formt im Vordergrund krallenbewehrte Ungeheuer, die sich anschicken, die gesamte Schöpfung in die Tiefen zu reißen, während hinter dem Horizont der Himmel selbst, mit seinen gehetzten Wolken, vor dieser Szene zu fliehen scheint.

Vierte Sinfonie, 4. Satz

Zum ersten Mal tritt hier die lebendige Natur in Erscheinung, während am Himmel sich Licht und Dunkelheit zu einer neuen, bewegten Harmonie vereinigen. Auch die Erde zeigt sich erneuert: An die Stelle der schroffen Felsen der Vorzeit sind nun sanfte Hügel getreten, und die ersten Tupfer warmer, lebendiger Farben sprechen von einem neuen Zeitalter.