Die Farbe der Klänge

Tommaso De Meos malerische Umsetzung der neun Sinfonien Beethovens

Dritte Sinfonie

Dritte Sinfonie, 1. Satz

Bei diesem Musikstück war De Meo besonders der Bezug des Werkes zu Napoleon wichtig, dem Beethoven die Sinfonie ursprünglich widmen wollte. De Meo versucht, die anfängliche Bewunderung des Musikers für den großen Feldherrn auszudrücken. Ein breiter, blutroter Pfad Richtung Horizont teilt das Bild in zwei Hälften: Auf der rechten Seite ragt ein Säulengebilde empor, dessen römisch anmutende Architektur die Macht des Kaisers symbolisiert; die linke Seite hingegen zeigt rohe, rotgetünchte Quader, die an Ruinenstädte, Feuersbrünste und Verwüstung gemahnen. Dieses Rot wiederum steht im klaren Kontrast zu den kühlen Blautönen der rechten Ebene. Die farbliche Gestaltung der gegensätzlichen Strukturen hebt den Kontrast zwischen der Macht und ihren Folgen hervor: Der anfängliche Enthusiasmus für Napoleon, den Beethoven mit den römischen Konsuln verglich, schlägt alsbald im Feuer seiner Eroberungskriege in Entsetzen und Enttäuschung um.

Dritte Sinfonie, 2. Satz

Der zweite Satz der 3. Sinfonie, der Sinfonia Eroica, wird von De Meo ebenfalls mit der Napoleon-Thematik in Bezug gebracht: Der Maler sieht diese Musik natürlich auch in einem größeren, allgemeinmenschlichen Kontext. Deshalb hat gerade der Trauermarsch für ihn große Aktualität, schließlich wurde De Meos Weltsicht nachhaltig von den eigenen leidvollen Erfahrungen in einem Arbeitslager während des 2. Weltkriegs geprägt. Die Bedeutung, die er deshalb gerade dem Trauermarsch beimisst, entspricht im übrigen ganz dem Ansatz verschiedener Künstler des 20. Jahrhunderts, wie z.B. der Auffassung von Arthur Paunzen, der nach dem 1. Weltkrieg aus seinen Kriegserfahrungen heraus ebenfalls den Trauermarsch der Eroica ins Bild setzte. De Meo interpretiert die 1804 von Beethoven vollendete Eroica als eine Prophezeiung der verheerenden Folgen des Russlandfeldzugs Napoleons. In De Meos malerische Umsetzung des Musikstückes weisen deshalb Landschaft und Architektur des Bildes auf die vernichtende Niederlage der Grande Armée  im Jahre 1812 in Russland hin. Den Vordergrund der Darstellung nimmt der lange Zug der namenlosen Besiegten ein, der sich in der eisigen Ferne einer Schneelandschaft verliert – der kahle Baum scheint in seiner Gestalt, die an klassische Darstellungen der Siegesgöttin erinnert, das geschlagene Heer noch zu verhöhnen. Dennoch ist die Hoffnung nicht ganz ausgeschlossen; sie deutet sich vielmehr durch den einzelnen hellen Stern an, der am dunklen Himmel zu sehen ist.

Dritte Sinfonie, 3. Satz

Aus den oberen Ecken des Bildes ragen zwei Arme in die Mitte, deren stählerne Armreifen zwar an Fesseln erinnern; allein, es fehlen die Ketten. Nach der terreur der Revolution – der Schrecken der Guillotine ist möglicherweise angedeutet durch die kopflose Gestalt, die das Gemälde dominiert – den Leiden der napoleonischen Kriege, nach der Unterdrückung und der Fremdherrschaft scheint sich aus den Wirren von Blut und Feuer ein Geist der Freiheit zu erheben. Der Triumphbogen, der im Hintergrund verloren und bedeutungslos wirkt, steht hierbei für die Vergänglichkeit von Waffenruhm und Eroberungseuphorie.

Dritte Sinfonie, 4. Satz

Die Wolken des Krieges ziehen sich aus Europa zurück – der blaue Himmel gibt den Blick frei auf den Wiederaufbau der Städte, der Staaten, der Zivilisation. Neben den kahlen, toten Bäumen sprießt wieder frisch und grün das neue Gras; von den Leitern und Gerüsten des Neubeginns glaubt man das Hämmern und Sägen der Bauleute und Zimmerer zu hören.