Die Farbe der Klänge

Tommaso De Meos malerische Umsetzung der neun Sinfonien Beethovens

Die Zweite Sinfonie

Zweite Sinfonie, 1. Satz

Im Bilderzyklus zur Zweiten Sinfonie beschäftigt sich der Künstler mit einer tragischen Phase im Leben des Komponisten, nämlich der Erkenntnis der fortschreitenden Ertaubung. De Meo wählt als Motiv mohnfarbige Blumen, die im sanften Wind wogen. Es handelt sich um Schwertlilien, deren Farben eigentlich blau - violett - gelb sind und deren Blüten nach unten zeigen. Die Schwertlilie unterlag im Christentum und in der orientalischen Literatur unterschiedlichen Deutungen, etwa als Marienpflanze bzw. als Zeichen verschmähter Liebe.

Mit dieser Idylle will der Künstler Beethovens Verbundenheit zur Natur ausdrücken, die sich in langen, einsamen Spaziergängen des Komponisten äußerte. Die Blumen stehen im Mittelpunkt der menschenleeren Landschaft und symbolisieren die zunehmende Einsamkeit des Musikers.

Zweite Sinfonie, 2. Satz

Das Leben erscheint Beethoven düster und farblos. De Meo stellt die Lebenskrise des Musikers mit einem dunklen, wolkenverhangenen Himmel dar, der einen Sturm anzukündigen droht. Die Naturidylle hat jeglichen Trost für den Musiker verloren. Die verwelkten Blumen sind eine Metapher für die verzweifelte Hoffnungslosigkeit Beethovens: Die Taubheit ist nun zur Gewissheit geworden, und die herabhängenden Blüten zeugen von der tiefen Verzweiflung.

Zweite Sinfonie, 3. Satz

De Meo versteht den dritten Satz der Sinfonie als einen Triumph der wahren Kunst. Der Komponist scheint den Tiefpunkt seiner Krise überwunden zu haben und in seiner Musik neue Kraft zu schöpfen. Bunte Phantasiegestalten scheinen sich wie im Tanze zu drehen. De Meo will die Musik als einen Traum darstellen, der jeglichen Schmerz vergessen lässt.

Zweite Sinfonie, 4. Satz

Mit dem vierten Gemälde macht De Meo Beethovens inneren Kampf gegen die wiederkehrende Verzweiflung über den Verlust des Gehörsinns zum Thema. Die inneren Dämonen wiedersetzen sich den Versuchen des Komponisten, trotz seiner eingeschränkten Sinne innere Ruhe zu finden. Vor dem Musiker tut sich ein Höllenschlund auf: Verzweiflung und Einsamkeit (dargestellt durch eine fratzenartige Feuergestalt) wollen wieder Besitz vom Komponisten ergreifen.