Beethoven und Großbritannien

"Wo man Ihre Compositionen allen andern vorzieht"

Der Komponist und Verleger Muzio Clementi

Die Klavierfassung des Violinkonzerts (D-Dur) op. 61

Eine von Beethoven sorgfältig durchgesehene Abschrift der von Clementi angeregten Klavierübertragung ist überliefert. Der Komponist korrigierte Noten, ergänzte dynamische Zeichen, Schlüssel, Legatobögen, Pedalanweisungen, Vortragsanweisungen wie "dolce" und "pizz[icato]", fehlende Schlüssel, Pausen u.a.m. Der Solopart weist auch Rasuren auf. Viele Korrekturen sind am Rand mit einem Kreuz gekennzeichnet.

Überprüfte Abschrift der Klavierfassung des Violinkonzerts (D-Dur) op. 61 The British Library

Im Zuge der Klavierübertragung überarbeitete Beethoven in den Monaten Mai bis Juni 1807 auch den Part der Solovioline. Im Druck erschien die Fassung für Klavier und Orchester im August 1808 und damit ein Vierteljahr nach dem "Original" für Violine und Orchester. Obwohl die Klavierfassung ohne die Anregung des englischen Verlegers vermutlich nie entstanden wäre, erschien die Londoner Ausgabe erst weitere zwei Jahre später.

Klavierfassung des Violinkonzerts (D-Dur) op. 61

Während von der Bearbeitung selbst nur die Überprüfte Abschrift überliefert ist, besitzen wir noch originale Kadenzen von Beethovens Hand für dieses Konzert. Gezeigt wird die Kadenz zum ersten Satz. Sie ist nicht nur ihrer Länge wegen - zwölf handgeschriebene Seiten! - ungewöhnlich. Der Klavierstimme liegt ein zweites Manuskript, eine Paukenstimme, bei. Dem Soloklavier ausgerechnet in der Kadenz eine Pauke beizugesellen, ist singulär in der Klavierliteratur (bis Alexander Glasunow viele Jahrzehnte später darauf zurückkam). Schon zu Beginn des Konzerts hat die Pauke eine herausragende Rolle: mit vier Schlägen eröffnet sie solistisch das Geschehen. Vielleicht wollte Beethoven diese Rolle in der Kadenz noch einmal festigen und bestärken. Die eigenhändige Niederschrift der Kadenz befand sich früher in der Musiksammlung von Beethovens Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich, der ein guter Pianist war.

Eigenhändige Kadenz, Klavierstimme
Eigenhändige Kadenz, Paukenstimme