Beethoven und Großbritannien

"Wo man Ihre Compositionen allen andern vorzieht"

Epilog

Nachwirkungen auf Insel und Kontinent

Joseph Joachim (1831-1907)
Joseph Joachim (1831-1907)

Bereits in jungen Jahren begann Joseph Joachim in Wien sein Musikstudium bei Joseph Böhm (1795-1876), der Ludwig van Beethoven noch persönlich gekannt und u.a. bei der Uraufführung der 9. Sinfonie mitgewirkt hatte. Über seinen Lehrer hatte Joachim daher einen direkten Anknüpfungspunkt an die authentische Interpretation der Werke des von ihm sehr verehrten Komponisten. 1844, also im Alter von nur 13 Jahren, debütierte er in London unter Felix Mendelssohn Bartholdy mit sensationellem Erfolg als Solist des Violinkonzerts. Seitdem galt er als d e r Interpret dieses Werks schlechthin, zu dem er auch zwei eigene Kadenzen komponierte. Später wurde Joachim die graue Eminenz des deutschen Musiklebens und war u.a. Ehrenpräsident des Beethoven-Hauses. In dieser Funktion begründete er die Tradition der Bonner Kammermusikfeste. Die späten Streichquartette Beethovens hat er mit seinem Quartett durch Interpretationen, die seinen Zeitgenossen als unübertroffen galten, einem breiteren Publikum erst bekannt gemacht.

Der in Hagen/Westfalen geborene Karl Halle hatte maßgeblichen Einfluss auf das englische Musikleben des 19. Jahrhunderts. Er ließ sich früh in London nieder, wo er Beethovens Klaviersonaten zunächst in Hauskonzerten und dann in öffentlichen Konzerten ins Repertoire einführte. Später gründete er in Manchester ein nach ihm benanntes Orchester, das für seine exemplarischen Aufführungen gerühmt wurde.

Unterschrift der englischen Königin Victoria auf der Stiftungsurkunde für das Bonner Beethoven-Denkmal, 1845
Die Enthüllung des Beethoven-Denkmals von Ernst Julius Hähnel auf dem Bonner Münsterplatz

Vor der feierlichen Enthüllung des Beethoven-Denkmals auf dem Bonner Münsterplatz am 12. August 1845 unterzeichneten die Ehrengäste, darunter Königin Victoria von England, ihr Prinzgemahl Albert, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Franz Liszt, die Stiftungsurkunde. Auch die Mitglieder des Komitees signierten das Dokument. Wie auf der Urkunde selbst vermerkt, wurde sie "in doppeltem Original aufgenommen" und nach der Unterzeichnung "eines jener Originalien in eine bleierne Capsel geschloßen und am Fuße des Denkmals eingemauert". Allerdings wurde keine solche Kapsel mit Urkunde gefunden, als man in den 1970er Jahren im Zuge der Baumaßnahmen für das Parkhaus unter dem Münsterplatz den Sockel der Statue öffnete und die darin eingemauerten Dokumente ins Bonner Stadtarchiv verbrachte.
Anlässlich der Deutschlandreise der englischen Königin erschien in der Illustrated London News ein Bericht mit Darstellungen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, u.a. das Beethoven-Denkmal in Bonn, eine Karte des Rheins und Genreszenen der Reise. Auch das Original des hier gezeigten Holzstichs wurde zuerst in dieser Zeitschrift veröffentlicht. Die Reproduktion bildete das Deckblatt für eine Menükarte zum Diner, das der Deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu Ehren von Königin Elizabeth II. von Großbritannien am 3. Juli 1986 auf Schloss Brühl gab.