Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethoven und seine Verleger

Seine Verkaufsstrategien

Die Honorare, die Beethoven von seinen Verlegern erhielt, waren wohl seine wichtigste Einnahmequelle. Seine zunehmende Schwerhörigkeit raubte ihm ein wesentliches berufliches und finanzielles weiteres Standbein, nämlich Auftritte als ausübender Künstler. So wurde er zu einem geschickten Verhandlungspartner und Taktierer. Als Komponist wollte Beethoven frei und unabhängig bleiben und zeitlose Werke für ein internationales Publikum schaffen; Auftragswerke bildeten die Ausnahme zur Regel. Allerdings bot er bedeutende Werke adeligen Mäzenen vor der Drucklegung gegen ein Honorar für eine vorübergehende exklusive Nutzung von ca. 6 bis 12 Monaten an. Anschließend wurde das Werk dann meist verschiedenen Verlegern angeboten, die dadurch in Konkurrenz zueinander traten. Vereinbart wurden feste Einmalhonorare, die auch die weitergehende Nutzung über Übertragungen in kleinere Besetzungen abdeckten. Am Umsatz gab es dann keine weitere Beteiligung. Nachdrucke gedruckter oder Abschriften ungedruckter oder gedruckter Werke, die in professionellen Kopistenbüros erstellt und vertrieben wurden, brachten dem Komponisten keinerlei Einnahme.
Die Verleger machten sicherlich größere Gewinne mit jenen Komponisten, die weit geringere Honorare erhielten und beim Schreiben stets die Möglichkeiten einer breiten Käuferschicht im Auge behielten. Werke von Beethoven zu verlegen hob allerdings Prestige und Renommée der Verleger, und so lohnte es sich zumindest über viele Jahre gesehen (weil Beethovens Werke im Repertoire blieben und später hohe Neuauflagen möglich waren), auch, wenn das Honorar für Beethoven oft mehr als die Hälfte der Gesamtkosten einer Druckausgabe ausmachte.

Brief an Breitkopf & Härtel vom 2. Januar 1810
Taler avers

Beethoven verkaufte 1809 dem Leipziger Musikverlag Breitkopf & Härtel, dem er einige Jahre "vor allen andern den Vorzug" gab, ein Werkpaket bestehend aus dem Oratorium "Christus am Ölberg" op. 85, der Oper "Leonore" op. 72 und der Messe in C-Dur op. 86 für das Gesamthonorar von 250 Gulden C.M. Entgegen der Abmachung war ihm der Betrag jedoch vollständig in Papiergeld angewiesen worden, dessen Kurs von Tag zu Tag weiter fiel. Deshalb forderte er die Rücknahme der Banco-Zettel und Auszahlung in Silberwährung.
Einige Monate später verlangte Beethoven für ein weiteres großes Werkpaket (opp. 74 bis 86) 250 Dukaten. Als der Verleger versuchte, ihn auf 200 Dukaten herunterzuhandeln, reagierte er mit folgenden Worten: "ich habe nicht zum Endzweck, wie sie glauben, ein Musikalischer Kunstwucherer zu werden, der nur schreibt, um reich zu werden, o bewahre, doch liebe ich ein Unabhängiges Leben, dieses kann ich nicht anders als ohne ein kleines Vermögen, und dann muß das honorar selbst dem Künstler einige Ehre, wie alles was er unternimmt hiermit umgeben seyn muß, machen, ich dörfte keinem Menschen sagen, daß mir Breitkopf und Härtl 200 # für diese Werke gegeben - sie als ein Humanerer und Weit Gebildeterer Kopf als alle andern Musikalischen Verleger dörften auch zugleich den Endzweck haben den Künstler nicht bloß nothdürftig zu bezahlen, sondern ihn vielmehr auf den weg zu leiten, daß er alles das ungestört leisten könne, was in ihm ist, und man von außen von ihm erwartet -".

Holländischer Dukat avers
Eigentumsbestätigung und Quittung für Birchall

Beethoven bot seine Werke auch gleichzeitig mehreren Verlegern für die verschiedenen europäischen Märkte an, geknüpft an die Bedingung, dass die Ausgaben gleichzeitig erscheinen mussten, damit kein Verleger Schaden erlitt. Die Märkte waren relativ klar getrennt zwischen Österreich und einem politisch kleingliedrigen Deutschland (mit Leipzig, Bonn, Berlin, Mainz) sowie Frankreich und England. An den Londoner Verleger Robert Birchall trat er die Eigentums- und Verlagsrechte des Klavierauszugs der Schlachtensinfonie "Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria" op. 91, des Klavierauszugs der 7. Sinfonie op. 92, des Klaviertrios op. 97 sowie der Violinsonate op. 96 für das Vereinigte Königreich und Irland gegen ein Honorar von 130 holländischen Dukaten ab. Der Wiener Verleger Steiner musste seine Ausgabe des Klavierauszugs der Schlachtensinfonie - eines der wenigen Gelegenheitswerke, die in besonderem Maße auf Publikumsakzeptanz zielten - deshalb noch etwas zurückstellen.