Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Lebenshaltungskosten in Beethovens Wien

Klavierpreise
Kosten für den Neffen

Die abgebildete Preisliste nennt die Preise für Klaviere von Anton Moser, der zwar nicht zu den ersten, aber zu den soliden, preiswerten Klavierbauern Wiens gehörte. Die unterschiedlichen Preise von 40 bis 80 Dukaten ergeben sich aus dem verwendeten Furnier und dem Tonumfang: Kirschbaum war am billigsten, Mahagoni am teuersten. Der Tonumfang betrug entweder vom Kontra-F bis g´´´ (5 Oktaven plus Sekunde) oder bis c´´´´ (5 ½ Oktaven). Bei anderen renommierten Klavierbauern kosteten Flügel mit Mahagoni-Furnier und Bronzebeschlägen 100 Dukaten, in einfacher Ausführung z.B. bei Nannette Streicher mindestens 66 Dukaten. Mitte der 1820er Jahre kosteten Instrumente aus ihrer Werkstatt zwischen 80 Dukaten für einfache, flügelförmige Klaviere in Nussholz mit einen Tonumfang von 6 Oktaven und 165 Dukaten für 6 ½ oktavige mit Mahagoni-Furnier und aufwändigen Beschlägen. Bei anderen Klavierbauern waren einfache Tafelklaviere bereits für 33 Dukaten zu haben.
Beethoven hat gelegentlich Instrumente vermittelt bzw. ausgewählt. Er selbst musste aber wohl nie ein Instrument käuflich erwerben. Als prominenter Pianist und Komponist konnte er auf Leihgaben und Geschenke renommierter Klavierbauer zurückgreifen, die sich des Werbeeffektes sicher sein konnten.

Klavierpreisliste
Dukat avers

Nach dem Tod seines Bruders Kaspar Karl im November 1815 übernahm Ludwig van Beethoven im folgenden Jahr die Vormundschaft für seinen Neffen Karl. Am 10. Mai 1817 verglichen sich Beethoven und seine Schwägerin Johanna über die Verlassenschaft des Bruders. Er einigte sich mit ihr, dass sie die Hälfte ihrer Witwenpension als Beitrag zur Erziehung ihres Kindes abgeben sollte. Außerdem erhielt Karl 2000 Gulden W.W. aus dem Erbteil seines Vaters. Die Witwe erhielt das Haus 121 in der Alservorstadt zum alleinigen Eigentum. Da das Verhältnis des Komponisten zu seiner Schwägerin ausgesprochen belastet war, versuchte er immer wieder, die Mutter von der Vormundschaft für ihr Kind auszuschließen. Es entbrannte ein langwieriger Rechtsstreit, der sich bis 1820 hinzog.

Neffe Karl van Beethoven (1806-1858)
Vertrag mit Johanna van Beethoven

Karl besuchte zunächst eine Reihe verschiedener Schulen, so auch das Institut des Cajetan Giannattasio del Rio. Die Schulgebühren beliefen sich auf 275 Gulden W.W. im Quartal. An Ferdinand Ries, der in London ein Benefizkonzert für ihn organisieren wollte, schrieb Beethoven am 8. Mai 1816: "mein Gehalt beträgt 3400 fl. in Papier - 1100 Haußzins bezahle ich mein bedienter mit seiner Frau bis beynahe 900 fl. rechnen sie, was also noch bleibt, dabey habe ich meinen kleinen Neffen ganz zu versorgen, bis jezt ist er im Institute dies kostet bis 1100 fl., u. ist dabey doch schlecht, so daß ich eine Ordentliche Haußhaltung einrichten muß, um ihn zu mir zu nehmen - wie viel man verdienen muß um hier nur leben zu können". Später wohnte Karl dann vorübergehend bei seinem Onkel und besuchte die Wiener Universität, bevor er 1825 an das Polytechnikum in Wien überwechselte. Schließlich schlug er jedoch eine militärische Laufbahn ein.