Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Lebenshaltungskosten in Beethovens Wien

Zusammensetzung und Bedarf

Die Verhältnisse in Beethovens Wien waren deutlich andere als heute und lassen sich deshalb nicht unmittelbar vergleichen. Vielmehr muss man für ein objektives Bild Beethoven in seiner eigenen Zeit sehen. Die Lebenshaltungskosten setzten sich im Wesentlichen zusammen aus den Ausgaben für Lebensmittel, Miete und Kleidung. Der Zeitgenosse Johann Pezzl kam in seiner "Neuen Skizze von Wien" für 1804 zu dem Ergebnis, dass der Mindestbedarf für "einen Mann, der einzeln, ohne Glanz, ohne öffentliches Amt, ganz in der Stille für sich selbst leben, und nur mit Leuten vom Mittelstande umgeben will", bei 967 Gulden lag. Allerdings erwähnte er weiter "Will der Mann doch von Zeit zu Zeit, wie natürlich, die Spectakeln besuchen, sich ein Buch anschaffen, irgend eine öffentliche oder private Ergötzlichkeit mitmachen, so kömmt er unter 1200 fl. jährlich nicht mehr zurechte." Um eine Vergleichbarkeit mit heutigen Lebenshaltungskosten zu erhalten, muss man diese Ausgaben für das "Vergnügen" natürlich einbeziehen. Aber auch dann entfielen immer noch 41% auf Lebensmittel (ohne "Freizeitvergnügen" waren dies sogar 52%), wogegen wir heute gerade einmal ein Fünftel für Lebensmittel aufwenden. Auch Kleidung war deutlich teurer als heute, damals 19%, heute nur 6%. Entgegengesetzt entfällt heute mit 37% der größte Teil auf Wohnung mit Nebenkosten, damals waren das nur 14%. Rechnet man das Budget unter Zuhilfenahme der Entwicklung der Lebensmittel- und Mietkosten für das Jahr 1809 hoch, so ergibt sich ein Wert von 1600 Gulden. Die Unterstützung, die Beethoven anfänglich von seinen Mäzenen bekam, betrug also fast das Zweieinhalbfache des Budgets des "Mannes vom Mittelstand". In den extremsten Jahren 1816 und 1817 hingegen lag die Rente mit 3400 Gulden W.W. sogar unter dem Pezzl-Budget von ca. 3750 Gulden W.W.

20 Kreuzer avers
Übersicht der Satzungen, Februar 1809

Die Aufstellung von Pezzl belegt also, warum gerade die Lebensmittelpreise so ausschlaggebend waren. Zeigen zeitgenössische Darstellungen bereits für Beethovens erste Wiener Jahre einen deutlichen Preisanstieg der Lebensmittel, so spitzte sich die Lage mit der Besetzung Wiens durch Napoleons Truppen im Mai 1809 weiter zu und führte schließlich zu einer echten Versorgungsnotlage in der Stadt. In der zweiten Jahreshälfte stiegen die Lebensmittelpreise um 50%. Die Preise für Mehl, Brot, Fleisch, Fisch, Kerzen, Seife, Bier und Brennholz waren in Form von "Satzungspreisen" staatlich festgelegt. Als selbst diese Taxen erhöht wurden, gestaltete sich das Leben immer schwieriger. Im Februar kostete ein Pfund Rindfleisch noch 18, im September schon 27 Kreuzer; alle anderen Preise passten sich der Marktlage an und waren für die breite Bevölkerung kaum bezahlbar.
Auch Beethoven äußerte sich entsprechend. Um gegenüber seinem Leipziger Verleger Breitkopf & Härtel zu begründen, warum er weiterhin auf dem geforderten Honorar in Silbermünze Konventionswährung für ein Werkpaket bestehen musste, schrieb er: "Wir bezahlen jetzt 30 fl. für ein Paar Stiefel, 60 auch 70 fl. für einen Rock etc. hol der Henker das ökonomisch-Musikalische - meine 4000 fl. waren voriges Jahr, ehe die Franzosen gekommen etwas, dieses Jahr sind es nicht einmal 1000 fl. in Konvenzionsgeld". Zum Vergleich: 1792 notierte Beethoven für Stiefel 6 Gulden, nun - 1810 - kosteten sie 30 Gulden, also das Fünffache.

Schriftlicher Dialog mit Haslinger
3 Kreuzer W.W. revers

Die Lebensmittelkosten stiegen zwar schneller und unregelmäßiger an als die Mieten, aber auch die Mietpreise waren der Inflation und Teuerung unterworfen. 1816 zahlte Beethoven dem Grafen Lamberti eine mehr als zehnmal so hohe Miete (1100 Gulden W.W., entsprechen 5500 Gulden B.Z.) wie die, welche er sechs Jahre zuvor im Pasqualati-Haus bezahlte hatte (500 Gulden B.Z.).
Dass Beethoven sich in hauswirtschaftlichen Fragen oft beraten ließ, zeigt die ausgiebige diesbezügliche Korrespondenz mit Nannette Streicher, Inhaberin und treibende Kraft einer der führenden Klavierbauwerkstätten Wiens.
Der mit Beethoven befreundete Musikverleger Tobias Haslinger half ihm im Oktober 1817 beim Umzug von seinem Sommerwohnsitz in die Stadtwohnung. Möglicherweise ließ Beethoven sich in diesem Zusammenhang über Tapeten und Schubladenkommoden beraten.