Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethovens Arbeitsstipendium von Fürst Lobkowitz, Fürst Kinsky und Erzherzog Rudolph

Probleme mit der Auszahlung II

Auch die Zahlungen aus der Kinskyschen Kasse musste Beethoven erst in komplizierten Gerichtsverfahren einklagen. Obwohl Fürst Kinsky im Januar 1812, also bevor Beethoven mit seiner Bitte um volle Auszahlung an ihn trat, an seine Wiener Kasse die Anweisung gegeben hatte, Beethovens Gehalt nach der Skala umgerechnet auszuzahlen, trat eine längere Verzögerung ein. Am 2. November 1812 starb der Fürst an den Folgen eines Reitunfalls. Mit der Bitte um volle Ausstellung in Einlösungsscheinen und dem Hinweis auf die ausstehenden Zahlungen wandte sich Beethoven nun an die Fürstin Karoline Kinsky, die jedoch nicht ohne die Zustimmung des Mitvormunds und der Vormundschaftsbehörde entscheiden konnte. Letztendlich wurde am 18. Januar 1815 durch die Prager Landrechte der Kinsky-Anteil rückwirkend ab dem Todestag des Fürsten auf 1200 Gulden W.W. gerichtlich festgelegt.

Die Quittung bezieht sich auf die erste der Zahlungen nach der Entscheidung der Prager Landrechte. Das Stipendium sollte in zwei halbjährlichen Raten zu je 600 Gulden W.W. ausgezahlt werden. Beethoven musste auf offiziellem Papier in Form eines Stempelbogens eine Quittung erstellen, die außer dem Siegel und der eigenhändigen Unterschrift auch eine Beglaubigung darüber enthalten musste, dass es sich bei dem Empfänger um eine lebende Person handelt (ausgestellt von einem Pfarramt als standesamtlicher Instanz).
Quittung für die Fürstlich Kinskysche Hauptkasse
Die Zahlungen aus der Kinskyschen Kasse erfolgten häufiger mit einiger Verspätung. Zur Beschleunigung bevollmächtigte Beethoven seinen Rechtsanwalt Nepomuk Kanka, der ihn schon im Gerichtsverfahren unterstützt hatte. Ursprünglich sollte die Auszahlung über das Prager Bankhaus Ballabene erfolgen, aber im beiliegenden Brief an Kanka schrieb Beethoven: "Pasqualati sagte heute nach einem Monath und 6 Tägen, daß das Haus Ballabene zu groß für d.g. sey, daher muß ich schon Ihre Kleinheit (so wie ich mir auch nichts daraus mache, so klein zu seyn Andern zu dienen) in Anspruch nehmen."
Vollmacht für Kanka in Prag
Beethoven informierte Kanka am 1. Mai 1816 auch über sein Vorhaben, der Fürstin Kinsky ein Werk zu widmen: "Der Fürstin Kinsky ist eben eine dedication auf der Post von mir an selbe übergeben worden, hiezu werde ich denn noch einen Brief nachsenden, worin ich in der Respektvollsten Manier um das anhalten werde, was mir rechtsmäßig zukommt". Ein solcher Brief ist zwar nicht erhalten, möglicherweise auch nie geschrieben worden. Beethoven muss sich nach den langwierigen Verhandlungen um die Höhe seines Gehaltes eigentlich darüber im Klaren gewesen sein, dass ein neuerlicher Versuch ebenfalls zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. So beließ er es wohl bei dem für sich sprechenden Titel "An die Hoffnung".
"An die Hoffnung" op. 94