Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethovens Arbeitsstipendium von Fürst Lobkowitz, Fürst Kinsky und Erzherzog Rudolph

Dank an die Mäzene

Aus Dankbarkeit widmete Beethoven seinen Gönnern verschiedene Werke. Erzherzog Rudolph, jüngster Sohn Kaiser Leopolds II. und Bruder von Kaiser Franz, war Klavier- und Kompositionsschüler Beethovens und wurde zum wichtigsten Förderer des Komponisten. Er war ein hervorragender Pianist und komponierte zuweilen auch selbst. Beethoven widmete ihm weit mehr Kompositionen als irgendjemandem anderen. Die Erzherzog Rudolph zugedachte Klaviersonate op. 81a ("Les Adieux") thematisiert in ihren drei Sätzen konkret den Weggang, die Abwesenheit und die Rückkehr des Erzherzogs von bzw. nach Wien im Zuge der Kriegsereignisse 1809. Auf das Titelblatt der Handschrift schrieb Beethoven eigenhändig: "Das Lebe Wohl / Wien am 4ten May 1809 / bei der Abreise S[einer] Kaiserl[ichen] Hoheit / des Verehrten Erzherzogs / Rudolf." Sie ist also sozusagen ein Stück "komponierte Biographie".
Dem Fürsten Lobkowitz dedizierte Beethoven neben der 5. und 6. Sinfonie (deren Widmung dieser sich mit Graf Rasumowsky teilte) auch sein neues Streichquartett op. 74. Er komponierte das Stück im Sommer und Herbst 1809 während seines Aufenthalts in Baden bei Wien.

Erzherzog Rudolph von Österreich (1788-1831)
Streichquartett Es-Dur op. 74

Glaubte Beethoven nun, durch das Stipendium eine sichere Basis gefunden zu haben, auf der er sich, aller materiellen Sorgen enthoben, ganz seiner Kunst widmen konnte, so belehrte ihn die Wirklichkeit schnell eines Schlechteren. Zur Finanzierung der Napoleonischen Kriege wurden große Mengen Geld benötigt. So entschloss man sich, wie schon während des Siebenjährigen Krieges, das Papiergeld zu vermehren. Der Gesamtumlauf der Scheine stieg von 74 Millionen im Jahr 1797 auf 1061 Millionen 1811. Längst war die Schere zwischen den Stadt-Banco-Zetteln (Papiergeld) und den zu ihrer Deckung ursprünglich vorgesehenen Silbermünzen so weit auseinandergeklafft, dass man die Einwechselbarkeit der Scheine gegen Metallgeld hatte aufgeben müssen. Die Banco-Zettel verloren ständig an Kaufkraft, eine allgemeine Teuerung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten war die Folge.
Entsprach Beethovens "Gehalt" von 4000 Gulden B.Z. (Banco-Zettel, Papiergeld) bei Abschluss des Vertrags im Frühjahr 1809 schon nur 1620 Gulden C.M. (Conventionsmünze, Silberwährung) - die 600 Dukaten aus Kassel hätten rund 2700 Gulden C.M. ausgemacht - so waren es im August 1810 nur noch 890 Gulden, im Dezember 1810, als der niedrigste Kurs mit fast 10:1 erreicht war, gerade noch 416 Gulden.

Klaviersonate Es-Dur op. 81a

Die österreichische Regierung musste schließlich erkennen, dass ein Staatsbankrott unabwendbar wurde und auf Anraten des Hofkammerpräsidenten Graf Wallis wurde 1811 zu dem Radikalmittel gegriffen, das Papiergeld zu entwerten. Die bald auch "Bankrottpatent" genannte Verfügung Kaiser Franz I. vom 20. Februar 1811 bestimmte eine Herabsetzung der umlaufenden Banco-Zettel auf ein Fünftel ihres Nominalwertes. Die am 15. März in Kraft tretende Verordnung sah den Umtausch in so genannte "Einlösungsscheine" der neuen "Wiener Währung" (W.W.) bis zum 31. Januar 1812 vor.
Um den Verlust für die bis zum Inkrafttreten der Verfügung abgeschlossenen privatrechtlichen Verträge, also Renten, Pensionen etc., nicht allzu krass ausfallen zu lassen, wurde der neue Wert solcher Zahlungen gemäß des bei Abschluss des Vertrags herrschenden Banco-Zettel-Kurses berechnet. Hierfür wurde eine Skala aufgestellt. Der Wert für März 1809 betrug 248, d.h. der bei Vertragsabschluss festgelegte Betrag wurde als das 2,48-fache der nun zu zahlenden Summe angesehen.