Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethovens Arbeitsstipendium von Fürst Lobkowitz, Fürst Kinsky und Erzherzog Rudolph

Abschluss des "Rentenvertrags"

Rentenvertrag

Im Herbst 1808 erhielt Beethoven ein Angebot von Napoleons Bruder, König Jérome Bonaparte von Westfalen, für das großzügige Gehalt von 600 Dukaten jährlich als Kapellmeister an den Kasseler Hof zu kommen. Beethoven streute diese Nachricht in Wien und ließ auch verlautbaren, dass er gewillt sei, das Angebot anzunehmen. Ignaz von Gleichenstein und die Gräfin Erdödy setzten sich daraufhin dafür ein, den Komponisten in Wien zu halten. Beethoven wurde aufgefordert, die Bedingungen zu nennen, unter denen er in Wien bleiben würde. Gleichenstein formulierte daraus einen Vertragsentwurf. Beethoven forderte neben 4000 Gulden jährlich auch die Möglichkeit zu Kunstreisen, den Titel eines kaiserlichen Kapellmeisters sowie die Zusage, einmal jährlich ein Konzert zu seinen Gunsten im Theater an der Wien veranstalten zu können.

Es gelang tatsächlich, drei Mäzene zu finden, die die geforderte Summe zu unterschiedlichen Anteilen aufbrachten. Der Entwurf wurde auf das Wesentliche reduziert und als so genannter "Rentenvertrag" oder "Stiftungsbrief" einige Tage vor dem angegebenen Datum von den Fürsten Kinsky und Lobkowitz sowie Erzherzog Rudolph unterzeichnet. Sie verpflichteten sich, Beethoven bis zu einer festen Anstellung bzw. falls keine solche erfolgen sollte, lebenslang jährlich den Betrag von 4000 Gulden in Bancozetteln (Papiergeld) zu zahlen, um ihn materieller Sorgen zu entheben. "Da es aber erwiesen ist, daß nur ein so viel [als] möglich sorgenfreyer Mensch, sich einem Fache allein widmen könne, und diese, vor allen übrigen Beschäftigungen ausschlüssliche Verwendung, allein im Stande sey, grosse, erhabene, und die Kunst veredelnde Werke zu erzeugen; so haben Unterzeichnete den Entschluß gefaßt, Herrn Ludwig van Beethoven in den Stand zu setzen, daß die nothwendigsten Bedürfnüsse ihn in keine Verlegenheit bringen und sein kraftvolles Genie dämmen sollen." Im Gegenzug verpflichtete Beethoven sich, in Wien oder zumindest in Österreich zu bleiben.

Stadt-Banco-Zettel 1800