Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethovens Vermögensverhältnisse

Seine Aktien

Aktie der Privilegirten oesterreichischen National-Bank, ausgestellt auf Ludwig van Beethoven


Beethoven hinterlegte seine Aktien immer wieder als Sicherheiten für Darlehen, er belieh sie und löste sie später wieder aus. Außerdem erhielt er natürlich die Dividende, 30 Gulden C.M. jährlich, die hälftig im Januar und Juli ausgezahlt wurden. Eine zusätzliche Ausschüttung aus den Gewinnen der Bank erfolgte als außerordentliche Dividende nach dem jährlichen Rechnungsabschluss im Januar. Der Wertzuwachs war beachtlich. Hatte Beethoven 1819 pro Aktie 500 Gulden bezahlen müssen, so stand ihr Kurs im März 1825 bei 1202 Gulden, hatte sich also mehr als verdoppelt. Da Beethoven die Aktien stets als unveräußerliches Erbe für seinen Neffen Karl betrachtete, machte er lieber Schulden, als dieses Vermögen zu schmälern. Trotzdem musste er im September 1821 eine Aktie veräußern, da sich seine finanzielle Situation durch eine längere Krankheit deutlich verschlechtert hatte.


Hatte Beethoven seinen Neffen im Januar 1827 zum Alleinerben "von allem meinem Hab u. Gut worunter hauptsächlich 7 Bankactien" erklärt, so folgte nach einer Beratung durch seinen Rechtsberater Bach und Stephan von Breuning - mittlerweile Karls Vormund - wenige Tage vor seinem Tod der Nachtrag: "Mein Neffe Karl Soll alleiniger Erbe seyn, das Kapital meines Nachlasses soll jedoch Seinen natürlichen oder testamentarischen Erben zufallen." Da man Sorge hatte, dass Karl mit dem ihm zugedachten Erbe seine hoch verschuldete Mutter unterstützen würde, sollte Karl nur die Erträge erhalten, das Kapital aber seinen eigenen Erben zufallen. Neben den beiden Aktien, die im Besitz der Oesterreichischen Nationalbank sind, befinden sich zwei weitere in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Deren Aktienbriefe belegen, dass beide Aktien 1864 bzw. 1874 vom Gerichts-Depositen-Amt an die Tochter von Karl und Caroline Barbara (geb. Nasken) van Beethoven, Karoline Johanna van Beethoven, übertragen wurden.
Der bedeutendste Anteil an Beethovens Hinterlassenschaft entfiel mit rund 73% auf die Aktien, von deren Existenz nur wenige Freunde und sein Bruder wussten. Beethoven, der insgesamt ein recht genügsames Leben geführt hat und nur wenig bis gar kein Geld für Luxusgüter ausgegeben hat, starb also als vermögender Mann. Nur knapp 5% der Wiener hinterließen gleich hohe oder höhere Werte, 77% lediglich ein Zehntel dessen oder weniger. Mit größter Vorsicht lässt sich auf der Basis der von Roman Sandgruber ermittelten Umrechnungsfaktoren sein Nachlass auf etwa 145.000 EUR beziffern. Nur zum Vergleich: Der Hofkapellmeister Antonio Salieri hinterließ das Dreifache, Joseph Haydn, Kapellmeister und "Hauskomponist" bei Fürst Esterhazy, das Doppelte an Wert.
Beethoven litt sicherlich keine Not im Sinne eines "am Hungertuch nagenden Künstlers". Trotzdem sind seine immer wiederkehrenden Klagen aber durchaus ernst zu nehmen, zeigen sie doch, dass die Sorge um seine wirtschaftlichen Verhältnisse stets Teil seines Denkens war und auch sein musste, weil er ja eben keine feste Anstellung hatte. Letztlich konnte er sich jedoch seinen Wunsch nach einem "unabhängigen Leben", gemeint ist hier vor allem auch künstlerisch unabhängig, erfüllen.