Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethovens Vermögensverhältnisse

Von Noten und Nöten

Beethoven forderte sein bei Steiner angelegtes Kapital nach drei Jahren zurück - ohne dass der Verleger Beethovens Schulden abzog - und kaufte am 13. Juli 1819 davon acht Bankaktien der Oesterreichischen Nationalbank. Nachdem verschiedene vereinbarte Termine für die Darlehensrückzahlungen abgelaufen waren, mahnte Steiner Beethoven Ende 1820 höflich, aber bestimmt an. Der Komponist hatte sich wohl bitter über den allerdings vorher ordnungsgemäß festgelegten Zinssatz von 6% beklagt, der sogar unter dem Festzins für Beethovens Kapitalanlage lag.
"Mit Ihrer Aeusserung über meine Ihnen gesandte Rechnung bin und kann ich nicht zufrieden seyn; - denn ich habe Ihnen an Interessen für baar darliehenes Geld 6% berechnet, wogegen ich Ihnen für Ihr bey mir liegen gehabtes Geld 8%, und diese vorhinein pünktlich, und auch Ihr Capital selbst prompt bezahlt habe. - Was also dem einen Recht ist, muß dem Anderen billig seyn; zudem bin ich nicht in dem Falle, Gelder ohne Zinsen ausleihen zu können. - Ich habe Ihnen als Freund in der Noth gedienet, ich habe auf Ihr Ehrenwort gebaut und geglaubt, und ich bin weder zudringlich gewesen, noch habe ich Sie auf eine andere Art jemals geplagt, und muß daher wider die mir gemachten Vorwürfe feyerlich protestiren. - Wenn Sie bedenken, daß mein Ihnen gemachtes Darlehen zum Theil schon in's fünfte Jahr gehet, so werden Sie sich selbst bescheiden, daß ich nichts weniger, als ein zudringlicher Gläubiger war; ich würde Sie auch jezt noch schonen und in Geduld abwarten, wenn ich auf Ehre, dermalen nicht selbst bey meinen Unternehmungen Baarschaft höchst nothwendig hätte. - Wäre ich weniger überzeugt, daß Sie wirklich im Stande sind, mir nun auch in der Noth Ihren Beystand leisten, und Ihr Ehrenwort halten zu können, ich würde, so schwer es mich auch ankämme, noch recht gerne einige Zeit in Geduld stehen; allein wenn ich rückdenke, daß ich Ihnen selbst vor 17 Monaten baare f 4000 - Cmünz oder f 10000 - W.W. als Capital rückbezahlte, und bey dieser Rückzahlung auf Ihr Ersuchen meine Gegenforderung nicht gleich damals abgezohen habe, so muß es mir nun doppelt schmerzlich fallen, daß ich bey all meinem guten Willen und aus lauter Vertrauen auf Ihr Ehrenwort nun in Verlegenheit bin. - Ein Jeder weiß am besten wo ihn der Schuh drückt, und in diesem Falle bin auch ich; daher beschwöre ich Sie wiederhollt, mich nicht im Stiche sizen zu lassen, und Mittel auszufinden, meine Rechnung so schnell als möglich zu saldieren. -"

Brief Steiners an Beethoven vom 29. Dezember 1820
Beethoven merkte seine Überlegungen zu Herkunft und Zusammensetzung der Schulden an, die insgesamt 2420 Gulden W.W. betrugen:
"die 1300 fl. w.w. sind wahrscheinlich 1816 oder 17 aufgenommen worden. - die 750 fl. w.w. noch später vieleicht 1819 - die 300 fl. sind schulden welche ich für die Frau. v. Beethoven vi - - de übernommen u. auch nur einige Jahre betragen können - die 70 fl. dörften auch 1819 für mich bezahlt worden seyn."
Der erste Posten ist der Kredit, den Beethoven am 4. Mai 1816 erhalten hatte, der zweite das Darlehen vom 30. Oktober 1819. Die 70 Gulden sind vielleicht mit einem Betrag von 72 Gulden in Verbindung zu bringen, den Steiner für Beethoven im August 1816 an Bernard ausgezahlt hatte. Der letzte Posten von 300 Gulden entspricht ungefähr einer Zinsschuld Johanna van Beethovens aus dem Jahre 1818. Beethoven schrieb ihr am 8. Januar 1824, dass er diese Schuld abbezahlt habe.
Zur Tilgung der Schulden notiert Beethoven: "Nb: Zur bezahlung kann angewiesen werden jährl. 1200 fl. in halbjährigen raten. -" Steiner hatte also insgesamt 520 Gulden W.W. an Zinsen zugeschlagen (1200 fl. C.M. entsprechen 3000 fl. W.W.). Letztendlich musste Steiner bis zum Sommer 1824 auf die vollständige Rückzahlung der gewährten Darlehen warten.
Brief an Salzmann, um den 8. Februar 1823
Das Zitat, das dieser Ausstellung den Titel gab, ist einem Brief Beethovens aus dem Jahre 1823 an Franz Salzmann, den damaligen Oberbuchhalter der "Privilegierten Oesterreichischen Nationalbank" in Wien, entnommen. Beethoven schuldete seinem Schneider 100 Gulden, dieser hatte ihm bereits mit einer Klage gedroht. Außerdem wollte er seinem Freund Franz Brentano zumindest einen Teil des Geldes zurückzahlen, das dieser ihm drei Jahre zuvor als Vorschuss auf das zu erwartende Honorar für die Missa solemnis geliehen hatte. Bevor Beethoven nun eine seiner Aktien erneut belieh, wollte er sich die fällige Dividende auszahlen lassen. Deshalb schrieb er an Salzmann: "ich bedarf aber wieder ihrer Hülfe, denn ich kann eben nicht mehr in der Welt als einige Noten so ziemlich niederschreiben, in allen Geschäftssachen ein schwerer Kopf, verzeihen Sie, wenn ich ihnen wieder beschwerlich fallen muß, indem ich Sie bitte, mir gefälligst die Monate zu benennen u. die Quantität derselben anzugeben." Und als "Nachschrift. Ich bitte sie, was die allerliebste Dividende anbelangt, doch zu sorgen, daß ich es heute oder Morgen erhalten kann, denn unser einer bedarf immer Geld u. alle Noten, die ich mache, bringen mich nicht aus den Nöthen!!"
Kanon "Doktor, sperrt das Tor dem Tod", WoO 189

Beethoven verwendete dieses geistreiche Wortspiel zwischen Musik-Note und der Not zu verschiedenen Gelegenheiten, so auch in dem Kanon, den er im Mai 1825 nach der Genesung von schwerer Krankheit seinem behandelnden Arzt Dr. Anton Braunhofer schickte: "Doktor, sperrt das Tor dem Tod - Note hilft auch aus der Not". Braunhofer hatte Beethoven um "einige unbedeutende Noten" gebeten, wichtig war ihm allein Beethovens Handschrift. Sind die Nöte im Salzmann-Brief eindeutig finanzieller Natur, so hat die "Not" hier eine doppelte Bedeutung: einerseits hilft ihm das Komponieren - die Note - aus der finanziellen Not, andererseits aber auch aus der durch die lange Krankheit verursachten seelischen Notlage.