Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethovens Vermögensverhältnisse

Verleger als "Bankersatz"

Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen kam Beethoven immer wieder in Geldverlegenheiten. Fielen die Zahlungen seiner Mäzene ab 1811 über drei Jahre fast vollständig weg, so entsprachen sie 1815, als sie endlich wieder regelmäßig aufgenommen wurden, in keiner Weise der Kaufkraft von 1809. Die Rente konnte also ihren ursprünglichen Zweck, den Komponisten jeglicher Sorge um alltägliche Geldnöte zu entheben, zumindest zeitweise nicht erfüllen. Er musste immer wieder Darlehen bei verschiedenen Verlegern, aber auch bei Freunden wie den Brentanos und bei seinem Bruder Johann aufnehmen.

Als sein Bruder Kaspar Karl 1813 schwer an Tuberkulose erkrankte, half Beethoven ihm mit einem Darlehen aus. Da es nicht zurückgezahlt werden konnte, erhielt er den Betrag schließlich von seinem Verleger Sigmund Anton Steiner und trat die Schuldforderung an diesen ab. Beethoven verpflichtete sich für den Fall, dass die vereinbarten Rückzahlungstermine nicht eingehalten werden sollten, Steiner eine "ganz neue noch nirgend im Stich erschienene Claviersonate" als Ausgleich, also unentgeltlich, zu überlassen sowie das Vorkaufsrecht für mehrere Werke zu garantieren. Beethoven entschied sich für die Klaviersonate e-Moll op. 90, die somit eine Schuldentilgung eigener Art darstellt.
Klaviersonate e-Moll op. 90
In den folgenden Jahren diente der Verleger Beethoven dann immer wieder als "Bankersatz", indem der Komponist verschiedentlich Darlehen aufnahm, aber auch Gelder gewinnbringend anlegte. Am 16. Juli 1816 schrieb er an Steiner: "sie sehn, daß ich vollkommenes Zutrauen in Sie seze, ich bitte sie nun Freundschaftlich Sorge zu tragen, daß mir dieses mein einziges Kapital (kleines) so viel als möglich trage, u. eben so sicher als möglich". Es handelte sich um einen Betrag von 4000 Gulden C.M., den Steiner zu 8% verzinste. Die Herkunft des Geldes ist unklar. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass es sich um die Gewinne der Akademien von 1814 und die großzügigen Geschenke der Zarin handelte.

Am 1. Juni 1816 wurde die "Privilegirte oesterreichische National-Bank" als unabhängige Aktiengesellschaft gegründet. Mit dem Ziel der Währungskonsolidierung wurde das Papiergeld der Wiener Währung eingezogen und in dem festgesetzten Verhältnis von 2,5 : 1 in neue Banknoten der ursprünglichen Conventions-Münze umgetauscht. Um 1820 hatte sich die Währung stabilisiert. Beethovens Arbeitsstipendium betrug nun 1360 Gulden, das entsprach ungefähr dem Jahresgehalt eines Kapellmeisters. Die Musiker der Hofkapelle bekamen 400 bis 700 Gulden, was in etwa dem Gehalt eines höheren Lehrers entsprach (die Musiker erzielten zusätzliche Nebeneinkünfte durch Unterricht und private Aufführungen). Mittlere Beamte verdienten über 1000 Gulden, Beethovens Haushälterin bei freier Kost und Logis 129 Gulden.
Banknote 1816
In seiner Steuererklärung vom 15. Januar 1818 gab Beethoven als Einkommen lediglich 1500 Gulden W.W. an, das entsprach dem Anteil von Erzherzog Rudolph an seinem Stipendium. Alle anderen Einkünfte aus dem Verkauf seiner Werke und auch die Anteile der Fürsten Kinsky und Lobkowitz unterschlug er also. Die Klassensteuer war eine Vorstufe der heutigen Einkommenssteuer und wurde seit 1800 erhoben. Ab 1802 hatten die Steuerpflichtigen ihre Einteilung in die Steuerklassen entsprechend ihres Einkommens selber vorzunehmen und hierzu eine Erklärung abzugeben. Beethoven verkürzte die offizielle Formulierung stark.
Beethovens Steuererklärung 1818