Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Widmungen und Auftragswerke

Mit der eigens für die Zarin von Russland komponierten Polonaise op. 89 wollte Beethoven sich möglicherweise für ihre großzügige Unterstützung seiner beiden Akademien beim Wiener Kongress bedanken. Allerdings erhielt er von ihr auch noch ein Widmungsgeschenk von 50 Dukaten. Außerdem honorierte sie die bereits 1803 erschienenen und ihrem Mann, Zar Alexander I., gewidmeten Violinsonaten op. 30 nachträglich mit 100 Dukaten. Dies sind aber schon die einzigen Widmungen, von denen bekannt ist, dass sie sich direkt in klingender Münze ausgezahlt haben, obwohl Beethoven diese Absicht sicher auch mit einigen anderen Zueignungen verfolgt hatte.

Polonaise für Klavier C-Dur op. 89
Elisabeta Alexejewna, Zarin von Russland (1779-1826)

Für die Widmung der den englischen Sieg verherrlichenden Schlachtensinfonie "Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria" op. 91 an den Prinzregenten von England, späterer König George IV., erhoffte sich Beethoven sicherlich eine glänzende Honorierung. Zeit seines Lebens erhielt er jedoch keinerlei Anerkennung dafür, obwohl er auch später noch zahlreiche Versuche unternahm, den englischen König auf diese Unterlassung hinzuweisen. Für die Widmung der 9. Sinfonie op. 125 an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. hatte sich Beethoven die Verleihung eines Ordens erhofft, erhielt aber lediglich einen wohl minderwertigen Ring und ein nüchternes Dankschreiben. Trotzdem profitierte er von solchen Widmungen, da diese in den Augen der Öffentlichkeit den Rang eines Werkes unterstrichen.
Viele Widmungen an seine Mäzene sprach Beethoven sicherlich in erster Linie aus Dankbarkeit aus. Eine Zueignung war nicht nur für ihn selbst positiv, indem er seine Verehrung öffentlich zeigen konnte, sondern auch für den Geehrten, der sich mit "seinem" Werk in der Öffentlichkeit schmücken konnte. Zahlenmäßig überwiegen die Widmungen an seine adeligen Gönner weit jene aus rein freundschaftlicher Verbundenheit.

4fach Dukat avers
Violinsonate c-Moll op. 30 Nr. 2

Die wenigen Auftragswerke komponierte Beethoven für adelige Gönner (Streichquartette opp. 127, 132 und 130 für Fürst Galitzin, Messe op. 86 für Fürst Nikolaus II. Esterházy), Musikgesellschaften (9. Sinfonie für die Londoner Royal Philharmonic Society), Theater (z.B. die Schauspielmusiken opp. 113 und 117 für das Theater in Pest) und Verleger (z.B. die Volksliedbearbeitungen für den schottischen Verleger George Thomson). Einige Auftragswerke verwirklichte Beethoven nicht. Hier ragt ob der Höhe des Honorars der Auftrag der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, ein Oratorium zu Carl Bernards Text "Der Sieg des Kreuzes" zu schreiben, heraus. Trotz einer Anzahlung von 400 Gulden W.W. und einem vereinbarten Honorar von 300 Dukaten führte Beethoven nur eine kurze Skizze aus. Er konnte sich mit dem Textbuch nicht anfreunden. Dieses Beispiel zeigt in aller Deutlichkeit, dass letztlich die Kunst, nicht das Geld seine Welt regierte.