Beethoven und das Geld

"Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!"

Beethoven als Konzertveranstalter

Wie damals durchaus üblich betätigte sich Beethoven auch als Konzertveranstalter. Benefizkonzerte zugunsten eines Musikers oder Komponisten, die so genannten Akademien, waren jedoch immer mit einem hohen finanziellen Risiko behaftet. In der Regel fungierte der Komponist, der seine neuen Werke aufführen oder der Virtuose, der seine Fähigkeiten dem Publikum vorführen wollte, selbst als Veranstalter, was zu einer sehr beträchtlichen zusätzlichen, oft als lästig und besonders mühsam empfundenen Arbeitsbelastung führte. Er musste sich um die Zusammenstellung des Programms, die Musiker, die Bewerbung der Veranstaltung sowie den Kartenvorverkauf kümmern. Außerdem musste ein geeigneter Raum - ein Theater oder ein Mehrzweckraum wie z.B. die Redoutensäle - angemietet werden. Der erste öffentliche ausschließlich für Konzerte bestimmte Saal wurde erst 1831 durch die 1812 gegründete Gesellschaft der Musikfreunde erbaut.
Beethoven gelang es, für seine erste eigene Akademie am 2. April 1800 das "National-Hof-Theater nächst der Burg" zur Verfügung gestellt zu bekommen. Hierbei gereichte ihm die Widmung seiner Klaviersonaten op. 14 im Jahre 1799 an die Frau des Direktors der beiden Hoftheater Josephine von Braun sicherlich zum Vorteil. Auf dem Programm standen laut Anschlagzettel eine Sinfonie von Mozart, zwei Stücke aus Haydns "Schöpfung", ein Klavierkonzert von Beethoven (vermutlich die Nr. 1, op. 15), sein Septett op. 20 und die 1. Sinfonie op. 21, außerdem eine freie Fantasie auf dem Klavier. Solche langen Mischprogramme, bei denen zwischen die großen Instrumentalstücke kleine Gesangsstücke eingestreut waren, waren damals üblich. Wahrscheinlich war das Konzert finanziell erfolgreich, auch wenn Beethoven entgegen der sonst üblichen Gepflogenheiten nur Eintrittsgeld "wie gewöhnlich" verlangt hatte. Der Optimismus, mit dem er sich im Juni 1801 gegenüber seinem Jugendfreund Franz Gerhard Wegeler äußerte, indem er für seine Zukunft in Wien erwartete, jedes Jahr das Theater für eine Akademie zu erhalten, spricht jedenfalls für einen solchen Erfolg. Letztendlich fanden jedoch in den verbleibenden 26 Wiener Jahren tatsächlich nur acht Benefizkonzerte zu seinen Gunsten statt, wovon nur vier finanziell erfolgreich waren. Allerdings waren diese Akademien wohl auch eine gute Gelegenheit für bei solchen Anlässen durchaus übliche großzügige Dotationen des Adels.

Hofburgtheater in Wien um 1825
Anschlagzettel für die Akademie am 2. April 1800

Prominentestes Beispiel sind die Konzerte, die Beethoven während des Wiener Kongresses gab. Von September 1814 bis Juni 1815 waren die führenden Regenten Europas in Wien versammelt. In ihrem Gefolge befanden sich Diplomaten und Aristokraten, es wurde ein ausladendes Programm mit Bällen, Opernaufführungen und Konzerten geboten. Nach dem Erfolg des sinfonischen Schlachtengemäldes "Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria" op. 91, das genau den patriotischen Nerv der Zeit getroffen hatte, nutzte Beethoven erneut die Gunst der Stunde und komponierte in kürzester Zeit die bombastische Kantate "Der glorreiche Augenblick" op. 136 nach rein kommerziellen Gesichtspunkten. Vor einer begeisterten Hörerschaft und den versammelten Staatsoberhäuptern wurde dann am 29. November 1814 noch einmal "Wellingtons Sieg" sowie die 7. Sinfonie und die neue Kantate gegeben. Das Konzert wurde am 2. Dezember zu Beethovens Gunsten und am 25. Dezember zugunsten des Bürgerspitals St. Marx wiederholt. Die Ausgaben für die ersten beiden Veranstaltungen betrugen 5108 fl. W.W. Dass Beethoven im Jahre 1814 mit seinen Konzerten trotzdem mehr verdiente als in allen anderen Jahren zusammen, ist sicher nicht zuletzt auch der Zarin von Russland zu verdanken. Die Wiener "Friedensblätter" vom 24. Dezember 1814 berichteten, dass sie Beethoven mit einem "grossmüthigen Geschenk von 200 Dukaten" unterstützt habe.

"Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria" op. 91
"Der glorreiche Augenblick" op. 136