Erhaben, kurios oder modern

Beethoven-Denkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts

1950 - 2000

Die Zeit der Experimente - I

Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte man bei der Gestaltung von Denkmälern für Ludwig van Beethoven nach neuen Konzepten gesucht. Da durch die Erfahrungen des 2. Weltkrieges viele der zuvor anerkannten Formen und Inhalte in Frage gestellt wurden, verstärkte sich diese Tendenz in den Jahren nach 1945 noch deutlich.

So entwickelten sich vielfältige Neuansätze, die in ihrer Aussage und in ihrem Stil oft sehr unterschiedlich waren. Der amerikanische Bildhauer Eugen Ciuca (*1913) wählte z.B. rein abstrakte Formen, um in seinen Denkmals-Entwürfen vor allem seine Verehrung für Beethovens Musik ins Bild zu setzen.

Klaus Kammerichs: "Beethon" - Das Beethoven-Denkmal vor der Bonner Beethoven-Halle (1986)

Einen ganz anderen Weg, der den Umgang mit Beethoven als Person thematisiert, beschritt der Düsseldorfer Bildhauer Klaus Kammerichs. Er schuf eine großformatige, drei-dimensionale Umsetzung des Beethoven-Portraits von Joseph Karl Stieler (1781-1858). Stielers Gemälde, das im Jahr 1820 entstand, gehört heute zu den populärsten Beethoven-Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert.

Joseph Karl Stieler: Ludwig van Beethoven mit dem Manuskript der Missa solemnis (1820)

Das Denkmal, das Klaus Kammerichs 1986 vor der Beethoven-Halle in Bonn errichtete, fängt die gesamte grundsätzliche Problematik ein, die die moderne Gesellschaft in ihrem Umgang und ihrer Einstellung gegenüber herausragenden Künstlern der Menschen der Vergangenheit hat. Denn der Bildhauer bezog sich in seiner Arbeit auf ein Portrait, das wie kein anderes die heutige Vorstellung vom Aussehen des Komponisten geprägt hat. So entstand nicht nur ein Monument mit großem Wiedererkennungscharakter, sondern Kammerichs machte zugleich auch deutlich, wie sehr der Blick des modernen Betrachters auf Beethoven von Konventionen und Vorstellungen aus der Vergangenheit geprägt ist.