Auf den Spuren Beethovens

Hans Conrad Bodmer und seine Sammlung

Die Sammlung

Sonstige Schriftstücke von Beethovens Hand

Die Denkschrift gehört in die Rubrik "Sonstige Schriftstücke von Beethovens Hand". Mit 47 Seiten handelt es sich bei diesem Entwurf um das umfangreichste Schriftstück von Beethovens Hand überhaupt. Bodmer wählte es als erste Handschrift für die Herausgabe im Faksimile aus. Neben seiner inhaltlichen Brisanz ist es auch optisch äußerst attraktiv, verrät das affektgeladene Schriftbild mit zahlreichen kräftigen Unterstreichungen, Tilgungen und Überschreibungen doch viel darüber, mit welcher Emphase Beethoven sein Ziel verfolgte, nämlich die Mutter seines Neffen Karl von der Vormundschaft auszuschließen und ihn als Vormund einzusetzen.

Entwurf einer Denkschrift an das Appellationsgericht in Wien, 18. Februar 1820

Beethoven legt in der Denkschrift an das Appellationsgericht in Wien alle den Prozess betreffenden Umstände dar. Seit dem Tod seines Bruders Kaspar Karl am 15. November 1815 währten die zermürbenden und seine Schöpfungskraft hemmenden Auseinandersetzungen mit seiner Schwägerin Johanna. Nachdem der Wiener Magistrat im Herbst 1819 Johannas Vormundschaft bestätigt, ihr Leopold Nußböck als Mitvormund beigegeben und die anschließenden Gesuche Beethovens abschlägig beschieden hatte, hoffte dieser, im Berufungsverfahren nun die Streitigkeiten endgültig zu beenden. Die Auswertung von Beethovens Konversationsheften ergab, dass das Schriftstück nie offiziell vor das Appellationsgericht gelangte. Allerdings wurde es wohl in einer überarbeiteten Version dem zuständigen Appellationsrat zugeleitet, der sich dann auch letztlich erfolgreich für Beethoven einsetzte. Am 8. April 1820 fiel folgende Entscheidung: Der Magistrat musste seine vorherigen Bescheide aufheben, die bisherigen Vormünder wurden ausgeschlossen und Beethoven mit Karl Peters als gemeinschaftliche Vormünder eingesetzt. Johanna gab jedoch noch nicht auf, sondern drang mit einer Beschwerde bis zur höchsten Instanz vor, wo sie jedoch scheiterte, indem der Kaiser im so genannten Hofrekurs ihre Beschwerde gegen die appellatorische Verfügung zurückwies. Somit hatte der Prozess nach fast fünfjähriger Anspannung endlich die von Beethoven erstrebte Lösung gefunden.