Auf den Spuren Beethovens

Hans Conrad Bodmer und seine Sammlung

Die Sammlung

Briefe

Max Unger gliederte die Sammlung Bodmer in verschiedene Abteilungen, die auf den folgenden Seiten übernommen werden. Das Hauptsammelgebiet bildeten Beethovens Briefe. So enthält die Sammlung auch den Briefwechsel mit Josephine Gräfin Deym. Bodmer finanzierte ein Faksimile der 13 Briefe an Josephine. Das Konvolut enthält aber auch zahlreiche Antwortschreiben und Entwürfe von Josephines Hand. Beethoven hatte Josephine Brunsvik bereits 1799 kennen gelernt, als sie noch nicht mit dem Grafen Deym verheiratet war. Während eines Aufenthalts in Wien erhielten sie und ihre Schwester Therese Klavierunterricht bei Beethoven. Nach dem Tod ihres Gatten im Januar 1804 tröstete Beethoven die Mutter von vier Kindern mit seiner Musik und verliebte sich heftig in die junge Witwe. Sein erster Brief datiert vom November 1804, die 12 weiteren erstrecken sich über den Zeitraum von fünf Jahren bis zum Herbst 1809. Es entwickelte sich wohl eine innige Freundschaft zwischen beiden, Beethovens Liebe erreicht ihren Höhepunkt im Frühjahr 1805.

Ausschnitt aus einem Brief an Josephine Gräfin Deym, Frühjahr 1805

Im Winter 1805/06 ist Josephine auf Reisen, im April 1806 entwirft sie ein Schreiben an Beethoven, ein weiterer Entwurf aus dem Winter 1806/07 drückt dann sehr deutlich ihren Wunsch nach Distanzierung aus.

Entwurf eines Briefes von Josephine Gräfin Deym an Beethoven, Winter 1806/07

Josephine versucht, ihre Beziehung zu Beethoven zu lösen und lässt sich sogar des Öfteren verleugnen. Im folgenden Brief schickt Beethoven ihr von seinem Kölnisch Wasser und meldet seinen Besuch an, rechnet aber schon damit, sie nicht anzutreffen. Seine große Enttäuschung spiegelt sich in seinem Gruß am Ende des Briefes: "ich hab sie so lieb, als sie mich nicht liebhaben".

Brief an Josephine Gräfin Deym, vermutlich 1807

Im letzten Brief an Josephine Deym wird Beethovens Resignation deutlich. Was mit zärtlichen Liebesbriefen begonnen hatte, wird mit einem schmerzlichen Abschied beschlossen.

Brief an Josephine Gräfin Deym, wohl 1809

Josephine Gräfin Deym ging 1810 eine zweite Ehe mit dem Erzieher ihrer Kinder Christoph Freiherrn von Stackelberg ein, von dem sie dann allerdings seit 1815 bis zu ihrem Tod 1821 weitgehend getrennt lebte. Beethovens "Unsterbliche Geliebte", an die er 1812 seinen großen Liebesbrief richtete, ist mit den Liebesbriefen an Josephine Gräfin Deym nicht zwingend gefunden worden. Eine ebenso wahrscheinliche Kandidatin ist Antonie Brentano.