Auf den Spuren Beethovens

Hans Conrad Bodmer und seine Sammlung

Der Sammler

Bodmer und das Beethoven-Haus I

Im Jahre 1932 wurde Bodmer die Mitgliedschaft im seit 1889 bestehenden Verein Beethoven-Haus angetragen, was er "selbstredend [als] grosse Freude & Ehre" betrachtete. Der damalige Vorsitzende des Vereins und Direktor des Beethoven-
Archivs Prof. Ludwig Schiedermair hatte von Max Unger erfahren, dass Bodmer im Besitz einer großen Beethoven-Sammlung sei und er diese katalogisieren dürfe. Allerdings wurden in den folgenden Jahren Nachfragen aus Bonn z.B. nach Reproduktionen zunächst noch systematisch abgeblockt. So schrieb August Laube an Bodmer: "Das Beethoven-Museum soll doch bitte einmal Vernunft annehmen und zuwarten, bis Sie Ihre Sammlung, die ja gut verwahrt ist, für Archivzwecke freigeben."

Mitgliedskarte Verein Beethoven-Haus Bonn

Diese abweisende Haltung sollte allerdings später ins Gegenteil umschlagen. Nach seinem ersten Besuch im Beethoven-Haus anlässlich der Feierlichkeiten zum 125. Todestag des Komponisten am 26. März 1952 entwickelte sich rasch eine intensive, herzliche Beziehung zwischen Bodmer und dem Beethoven-Haus. Der damalige Direktor Prof. Schmidt-Görg hatte die offizielle Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Beethoven-Denkmal mit seinem Gast zeitig verlassen, um ihn zum Glockengeläut ins Geburtszimmer zu führen. Bodmer bedankte sich für dieses starke emotionale Erlebnis mit folgenden Worten: "Die herrliche Beethoven-Feier, besonders die Augenblicke, die ich mit Ihnen im Geburtszimmer Beethoven's beim Läuten der Bonner Glocken verleben durfte, bleibt für mich eine der schönsten Erinnerungen." Schmidt-Görg und seiner jungen Assistentin Dr. Dagmar Weise gelang es, im persönlichen Kontakt Bodmer als Gleichgesinnten anzusprechen und ihm die Gemeinsamkeiten vor Augen zu führen.
Am Beispiel des Beethoven-Archivs wurde Bodmer klar, wie aktiv mit einer solchen Sammlung umgegangen werden kann, wie man sie "nutzbar" machen und gewissermaßen "zum Leben erwecken" kann. Er gelangte zu der Erkenntnis, dass er seine eigene Sammlung der Beethoven-Forschung zur allgemeinen Verfügung stellen solle und lud deshalb Schmidt-Görg und Weise ein, im Mai 1952 nach Zürich zu kommen und die Sammlung komplett zu verfilmen. Die Kosten hierfür übernahm Bodmer selbst. Die Möglichkeit, diese Reproduktionen nun für die eigene wissenschaftliche Arbeit und die von Dritten im Beethoven-Archiv verfügbar zu halten, war von größter Bedeutung und sogar ein Schreiben des Bundespräsidenten Theodor Heuss wert. In seinem Antwortschreiben betonte Bodmer noch einmal die erhebenden Augenblicke der Bonner Gedenkfeier, deren "natürliche Folge" es gewesen sei, "meine Sammlung für das Beethoven-Archiv photographisch aufnehmen zu lassen."
Bodmer räumte dem Beethoven-Haus auch das alleinige Recht zur wissenschaftlichen Auswertung seiner Sammlung ein, was eine Aufbruchstimmung ohnegleichen auslöste: die Pläne für eine Beethoven-Briefgesamtausgabe wurden konkretisiert, die Gesamtausgabe der Werke und die Skizzenausgabe rückten in greifbare Nähe.

Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer bei der Gedenkfeier am 26. März 1952 im Beethoven-Haus
"Schweizer Seite" im Ehrengästebuch mit Einträgen von Wilhelm Backhaus und H.C. Bodmer vom 26. März 1952 und Nachträgen von Elsy Bodmer, Robert Bory und Minister Max Huber