Auf den Spuren Beethovens

Hans Conrad Bodmer und seine Sammlung

Der Sammler

"This small but unique museum". Das Haus "Zur Arch"

Bodmers Anwesen in der Zürcher Bärengasse
Die Beethoven-Sammlung war im ersten Stock des rechten Gebäudes untergebracht. Foto: Privatbesitz Bonn

Für seine wertvolle Sammlung hatte Bodmer drei Räume in seinen gemütlichen alten Häusern in der Bärengasse 22 eingerichtet. Schon seit 1818 war die so genannte "Arch" der Stammsitz der Familie. Die Beethoven-Sammlung bekamen nur wenige Gäste zu sehen. Bodmer betrachtete sie zu diesem Zeitpunkt noch als seine eigene Welt, die er nur mit "moralisch berechtigten" Auserwählten teilen mochte. Hierzu zählten die herausragenden Beethoven-Interpreten Wilhelm Backhaus, Alfred Cortot, Walter Gieseking, Wilhelm Furtwängler sowie Pablo Casals mit seinen Triopartnern Sándor Végh und Mieczyslaw Horszowski. In der Gewissheit, dass Beethovens Originalhandschriften und auch die gesamte Atmosphäre der drei Räume die Künstler in besonderer Weise inspirieren würden, gewährte Bodmer ihnen gerne Einlass. Nur wenige Forscher genossen das Privileg, die Handschriften studieren zu können. So bekamen der in New York lehrende Erich Hertzmann und die Engländerin Emily Anderson, die an ihrer Beethoven-
Briefausgabe arbeitete, diese Möglichkeit. Im Gegenzug prüfte Hertzmann für ihn die autographen Stimmen von Beethovens letztem Streichquartett op. 135, die Bodmer im Begriff war, zu erwerben. Anderson beschrieb die besondere Aura der "Arch" folgendermaßen: "Entering this small but unique museum the visitor immediately feels that something of Beethoven´s spirit has come to settle there."

Dankschreiben von Wilhelm Backhaus

Mit der Internationalen Musik-Ausstellung in Luzern im Sommer 1938 geriet die Sammlung Bodmer erstmals ins Licht einer breiteren Öffentlichkeit. Bodmer trug nämlich zu dieser großen Ausstellung über 100 Exponate bei, so dass die Beethoven-Abteilung fast ausschließlich seiner Sammlung entlehnt war. In diesem Zusammenhang schrieb der Stadtpräsident von Luzern an Max Unger: "Es soll insbesondere die unerhört schöne und reiche Beethoven-Sammlung Bodmers einmal möglichst eindrücklich der schweizerischen und ausländischen Oeffentlichkeit vor Augen geführt werden. Der vornehmste Schweizersammler hat erfreulicherweise sein Sinnen und Trachten dem Größten der Grossen zugewandt und dieser muss in den Vordergrund der Ausstellung gerückt werden." Durch die ausführliche Berichterstattung auch in der internationalen Presse wurde die Sammlung auch über Fachkreise hinaus zu einem Begriff.
Im Juni 1949 beteiligte sich Bodmer erneut an einer Ausstellung. Auf Vermittlung seines Bruders trug er 18 besonders wichtige Stücke seiner Sammlung zur "Exposition des Trésors Musicaux de Suisse" im nahe Genf gelegenen Chateau de Nyon bei. Die Ausstellung wurde u.a. von dem späteren Verfasser einer bekannten Beethoven-Bildbiographie Robert Bory kuratiert.

Zwei Seiten aus Bodmers eigenhändigem Nachtragskatalog
Hier der Eintrag zu den beiden Autographen des Streichquartetts F-Dur op. 135