Auf den Spuren Beethovens

Hans Conrad Bodmer und seine Sammlung

Die Sammlung

Erst- und Frühdrucke

Bestandteil der Sammlung Bodmer ist auch eine umfangreiche Sammlung von Notendrucken. Besonders bei den Erstausgaben von Beethovens Werken mit Opuszahlen hat der Sammler Vollständigkeit angestrebt. Schließlich besaß er von den 138 Werken mit Opuszahlen von 116 Werken mindestens ein Exemplar der Erstausgabe oder einer Titelauflage; von 22 Werken fehlten ihm also die entsprechenden Notendrucke. Besonders werden ihn aber die raren Originalausgaben mit eigenhändigen Eintragungen des Komponisten erfreut haben, von denen er sechs Stück besaß.

Hierzu zählt auch Beethovens Handexemplar der Klavierstimme der Trios für Klavier, Violine und Violoncello op. 1. Die vorliegende Originalausgabe ist mit zahlreichen Fingersätzen mit Bleistift von Beethovens Hand versehen und enthält auf Seite 52 eine Korrektur des Notentextes. Da das Autograph verschollen ist, bildet diese Ausgabe die wichtigste Quelle zu den drei Klaviertrios. Sie entstanden in den ersten Wiener Jahren 1794 und 1795, als Beethoven noch in erster Linie für sich selbst als Pianist komponierte; eine Doppelrolle, die ihm seine Schwerhörigkeit später verwehrte. Wie so oft stellte Beethoven seine neuen Werke zunächst in kleinen privaten Aufführungen bei seinen Gönnern vor, diese in einer Soirée beim Fürsten Lichnowsky.

Beethovens Handexemplar der Originalausgabe der Drei Trios op. 1

Beethoven betrat nicht nur bei der musikalischen Gestaltung, sondern auch bei der Veröffentlichung der Werke ungewöhnliche Wege. Vertraglich (der Vertrag ist ebenfalls Bestandteil der Sammlung Bodmer) verpflichtete sich der führende Wiener Musikverlag Artaria & Comp., Beethoven 400 gedruckte Exemplare für 400 Gulden zu liefern, die Drucklegung kostete 212 Gulden. Für zwei Monate hatte Beethoven das alleinige Recht, die Drucke in Wien zum stolzen Preis von 1 Dukaten (das sind 4,5 Gulden) pro Exemplar zu verkaufen. Nach Ablauf dieser Frist durfte Artaria dann die Trios auf eigene Rechnung und eigenes Risiko verkaufen. Rechtzeitig setzte Beethoven folgenden Subskriptionsaufruf in die Wiener Zeitung:
"Pränumeration auf Ludwig van Beethovens 3 große Trio für das Piano Forte, Violin, und Baß, welche binnen 6 Wochen bey Artaria gestochen erscheinen, und nach vorheriger Anzeige bey dem Verfasser gegen Zurückgabe des Scheins zu haben seyn werden. Der Preis eines vollständigen Exemplars ist 1 Dukaten. Die Namen der Herren Pränumeranten werden vorgedruckt, und sie genießen den Vortheil, daß dieses Werk für andere erst 2 Monate nach der Ablieferung, vielleicht auch nur gegen erhöhten Preis abgegeben wird. In Wien pränumerirt man bey dem Verfasser im Ogylfischen Hause in der Kreuzgasse hinter der Minoritenkirche Nr. 35 im ersten Stock."

Die allen Exemplaren der ersten Auflage beigefügte gedruckte Subskribentenliste umfasst 123 Namen. Darunter findet man viele des Wiener, böhmischen und ungarischen Adels. Beethoven unterstrich und markierte zahlreiche Namen mit einem + in seinem Handexemplar.