Auf den Spuren Beethovens

Hans Conrad Bodmer und seine Sammlung

Die Sammlung

Verschiedenes

Unter der Rubrik "Verschiedenes", die im gedruckten Katalog von Max Unger noch nicht vorkam, vereinigte Bodmer in seinen handschriftlichen Nachtragskatalogen Reliquien wie Haarlocken Beethovens und Gebrauchsgegenstände im weitesten Sinne wie Kompass, Geldkassette, aber auch Schreibtisch und Reiseschreibpult. Außerdem beinhaltet die Abteilung auch Gedrucktes mit handschriftlichen Ergänzungen wie z.B. einen Neujahrsgruß und Zeitschriften, in die Beethoven Randbemerkungen eintrug.

Der repräsentative Schreibtisch gelangte aus Beethovens Nachlass in den Besitz der Familie seines Freundes Stephan von Breuning, wo er über hundert Jahre verblieb. Im Jahr 1929 wurde er zusammen mit weiteren Erinnerungsstücken an Stefan Zweig verkauft und schließlich aus dessen Nachlass 1953 von Bodmer erworben. Mit Sicherheit kann man annehmen, dass das Möbelstück in Beethovens letzter Wohnung im "Schwarzspanierhaus" stand. Denn Stephan von Breunings Sohn Gerhard erwähnt in seinen 1874 veröffentlichten Jugenderinnerungen ausdrücklich, dass im so genannten "Notenzimmer" Beethovens, in dem sonst nur die unterschiedlichsten Drucke, Manuskripte und Skizzen in wilder Unordnung herumlagen, keine Möbelstücke standen, "außer jenem damals außer Gebrauch gesetzten Schreibpulte (der [sic!] nunmehr in meinem Besitze [ist])".

Beethovens Schreibtisch

Im 19. Jahrhundert wurde wiederholt die Vermutung geäußert, in einem Geheimfach dieses Schreibtischs hätten sich Beethovens Bankaktien, sein berühmter Brief an die "Unsterbliche Geliebte" sowie zwei - ebenfalls aus der Sammlung Zweig von Bodmer übernommene - Portraitminiaturen unbekannter Damen befunden. Auch Stefan Zweig war davon wohl überzeugt. Allerdings existieren in Bezug auf die Fundumstände auch widersprüchliche Berichte. So spricht Sebastian Rau von einem "alten, halbvermoderten Kasten", in dem die Aktien gelegen hätten. Außerdem ließ sich im Schreibtisch keinerlei Geheimfach auffinden. Nun wurden im Zusammenhang mit der im Beethoven-Haus zum
175. Todestag veranstalteten Sonderausstellung einige bisher nur wenig beachtete Objekte aus dem Besitz des Frankfurter Musiksammlers Nikolaus Manskopf näher untersucht. Darunter war auch eine schlichte Nadelholzkiste mit eingelassenem Schiebedeckel, die nach den Angaben Manskopfs Beethovens Bankaktien beherbergt haben soll. Diese Kiste lässt sich exakt in den hinteren Teil einer der Schubladen auf der linken Schreibtischseite einfügen und könnte daher tatsächlich als eine Art "Geheimfach" fungiert haben.

Schemazeichnung der oberen linken Schublade