125 Jahre Beethoven-Haus

Bewegte und bewegende Geschichte

Das Beethoven-Haus übersteht den 2. Weltkrieg

Die letzten Kriegsjahre und die Rückkehr der Sammlung

Passierschein Wildemans ausgestellt von Barrett

Wildemans Durchsetzungsvermögen verhinderte die wohl fatale Umsetzung des Vorstandbeschlusses, im September 1944 die Sammlung der wertvollsten Stücke in Bonns sicherstem Tiefkeller im Nordturm der Universität unterzubringen (man wollte im Falle eines Endes des Krieges u.a. die Autographen wieder schnell zur Hand haben und das Museum möglichst schnell wieder eröffnen können). Wildeman ließ dieser Beschluss keine Ruhe und schließlich konnte er den Vorstand überzeugen, die Sammlung in einen Bergwerkstollen (ausgebaut zur Lagerung von Kunstschätzen) nach Siegen zu verlagern.
Zwei Tage, nachdem die Stücke nach Siegen gebracht wurden, brach der Nordturm bei einem Großangriff auf Bonn völlig zusammen.

Nach den Angriffen vom 18. Oktober zog Hausmeister Hasselbach mit seiner Frau und dem letzten verbliebenen Mobiliar nach Schloss Homburg. Trotzdem reiste er oft unter schwierigen Umständen nach Bonn, um nach dem Rechten zu sehen.
Mitte März fielen dann die ersten Bomben auf Nümbrecht und Hasselbach entschied, die Streichinstrumente auf verschiedene vertrauenswürdige Haushalte aufzuteilen, um einen Totalverlust der Instrumente zu vermeiden.
Wildeman zog gegen Ende 1944 wiederum nach Siegen, um dort die Sammlung des Beethoven-Hauses und andere wertvolle Kunstschätze im Auge zu behalten. In Siegen wurde die Situation zunehmend kritischer: der vordere Teil des Stollens diente als Luftschutzbunker, elektrische Beleuchtung und Heizung fielen aus, und es wurde immer schwieriger, Brennmaterial für den Kohleofen und die Lampen, sowie Lebensmittel für die Wachmannschaft zu besorgen. Weiterhin bedrohte die Schneeschmelze, und damit die durch den Wasserdruck entstehende Feuchtigkeit, die empfindliche Sammlung im Stollen.
Es glich also einer Art Rettung, als am 7. April 1945 amerikanische Soldaten den Stollen erreichten.

Unter den amerikanischen Soldaten wurde schnell bekannt, dass sich im Stollen ein unterirdisches Museum verbarg. Demnach war das Interesse einer Besichtigung recht groß, zumal ein Schild auf das Museum hinwies.
So kam es dann auch, dass Wildeman mit Captain Douglas Barrett Kontakt knüpfte. Barrett war Leiter der ägyptischen Sammlung des British Museum gewesen und entpuppte sich als großer Verehrer Beethovens Musik, er selbst spielte Bratsche. Barrett bat Wildeman um Einsicht in Beethovens Originalmanuskripte, was dieser jedoch ablehnen musste. Die Versiegelung der Originalmanuskripte durfte nur bei Anwesenheit zweier weiterer Vorstandsmitglieder geöffnet werden. Wildeman stellte Barrett jedoch die Besichtigung der Streichinstrumente Beethovens am 29. April in Aussicht, die auf Schloss Homburg lagerten.

Captain Douglas Barett war es auch, der in seiner Rolle als Offizier die notwendigen Papiere ausstellte, sodass Hausmeister Hasselbach wieder Zutritt zu dem von Soldaten besetzten Schloss Homburg erlangte. Auch kümmerte er sich maßgeblich um die Rückführung der Sammlung.

Am 11. Mai fand der erste Rücktransport der Sammlung mit Barett, Wildeman und Hasselbach statt. Hier wurden Beethovens Flügel, zwei Tafelklaviere, die Quartettinstrumente und Mobiliar, sowie Handschriften und Bilder aus dem Stollen wieder nach Bonn gebracht. Drei weitere Rücktransporte folgten im selben Monat, bis sich die Sammlung wieder komplett in Bonn befand. Selbst Filmaufnahmen wurden von der Rückführung für die amerikanische und englische Wochenschau angefertigt.

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