125 Jahre Beethoven-Haus

Bewegte und bewegende Geschichte

Das Beethoven-Haus übersteht den 2. Weltkrieg

Einer überaus turbulenten Zeit sah sich das Beethoven-Haus in der Zeit des Zweiten Weltkrieges ausgesetzt. Auch in schweren Kriegszeiten sorgten sich die Freunde und Mitarbeiter des Hauses um Beethovens Geburtshaus.
Während der Kriegszeit erreichten das Beethoven-Haus Briefe und Mitteilungen wie zum Beispiel das Schreiben eines Dr. Krause aus U.S. Kriegsgefangenschaft, der um die Zusendung zweier Fotos der Lebendmaske Beethovens bat, um seine Studien fortsetzen zu können (dem Wunsch wurde dank eines Notfalldienstes im Hause höchstwahrscheinlich entsprochen).
Eine mitreißende Geschichte erzählt auch der Brief des Frontsoldaten Walter Höch, der von der Front in Russland schrieb und um eine Mitgliedschaft im Verein bat.

Schreiben aus US Kriegsgefangenschaft von Dr. Krause an den Direktor des Beethoven-Archivs, Tennessee/USA, Juli 1943
Schreiben Walter Höchs an das Beethoven-Haus von der Front in Russland, o.O., 27. April 1943

Doch auch in Bonn selbst stand das Haus und die Sammlung in den letzten Kriegsjahren nicht ganz ohne Schutz und Helfer da.
Besonders verantwortlich sind hierfür der damalige Hausmeister Heinrich Hasselbach und der Baurat und Vorstandsmitglied Theodor Wildeman.
Am 18. Oktober 1944 sah sich Bonn einem Bombardement der englischen Air Force ausgeliefert und die Zerstörung machte auch nicht vor der Bonngasse halt. Da die Air Force mit Entzündungswaffen arbeitete, breiteten sich in den dicht bebauten Stadtgebieten der Innenstadt wahre Feuerstürme aus.
Unter dem Einsatz seines Lebens beseitigte Hausmeister Hasselbach eigenhändig die von der Air Force abgeworfenen Stabbrandbomben vom Dach des Geburtshauses und löschte schon ausgebrochene Brände. Ihm ist es zu verdanken, dass das Haus im Gegensatz zu den größten Teilen der restlichen Bonngasse  diesen Tag weitgehend unbeschadet überstand. Es gelang Dr. Rademacher vom Rheinischen Landesmuseum schließlich, einen Löschzug in die Bonngasse zu bestellen.
Die Innenstadt Bonns wurde beim Angriff fast komplett zerstört.

Trotz des schweren Angriffes trat der von Wildeman gefürchtete Ernstfall der Zerstörung des Geburtshauses also nicht ein. Das Geburtshaus konnte nämlich nicht gegen eine Zerstörung durch Brand oder Bomben gesichert (im Gegensatz zur beweglichen Sammlung) werden.
Aus diesem Grund waren Bauzeichnungen an drei verschiedenen Orten untergebracht worden, die im Falle einer Zerstörung dazu dienen würden, das Haus möglichst originalgetreu wiederherzustellen.
Wildeman hatte sich als Stellvertretender Provinzialkonservator der Rheinprovinz schon früh Gedanken über die "Bergung beweglicher Kunstschätze im Rheinland und ihre laufende Betreuung" gemacht und kümmerte sich unter anderem auch um die Domschätze von Köln und Aachen.
Als optimalen Auslagerungsort für einige Teile der Sammlung des Beethoven-Hauses (Originalhandschriften, kleinere Reliquien, Hörrohre, Masken) sah Wildeman 1939 die Höhenburg Schloss Homburg in Nümbrecht vor. Hier war nämlich Schutz vor Bombenangriffen, das richtige Klima und die Nähe zu Bonn gewährleistet (der Transport der Sammlung sollte nicht zu lang sein, auch musste die Sammlung weiter betreut werden). Die Handschriften wurden zwei Mal im Jahr zur Lüftung nach draußen gebracht und regelmäßig von Prof. Dr. Schmidt-Görg geprüft.
Im Juni 1942 wurden dann auch die Möbel und Beethovens letzter Flügel nach Schloss Homburg gebracht, im August des darauffolgenden Jahres die gesamte Bibliothek und alle wissenschaftlichen Materialien des Archivs.

Stabbrandbombe, am 18. Oktober 1944 auf das Beethoven-Haus abgeworfen
Verbotsschild am Beethoven-Haus